„Tschick” von Wolfgang Herrndorf
22. Januar 2012, 18:03 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg“Kachelt der nur rum oder ist der voll stulle? Wir spürten nichts und dann kamen die Schweine”.
Dieser Roman, der als Bestseller die Charts eroberte und 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie ‘Jugendbuch’ erhielt, ist gleichzeitig komisch, anrührend, dann wieder traurig und auch mal schräg: Das ist beste Literatur, die sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen gelesen werden kann.
Zwei Jungs sind die Helden: beide Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow, ist ein russischer Einwanderer und kommt schon mal besoffen zum Unterricht. Er schweigt gut und viel, scheint aber ganz klug zu sein.
Maik Klingenberg kommt aus einem wohlhabenden Haus. Der Vater scheint jedoch fast bankrott zu sein und hat eine Geliebte. Die Mutter ist sympathisch, trinkt allerdings zu viel. Sie ist entweder auf dem Tennisplatz oder in der Entzugsklinik. Wenn sie daheim ist, versenkt sie auch schon mal das Mobiliar im Swimmingpool. Das macht sie mit großer Freude.
Beide Jungs gehören nicht dazu und werden daher nicht auf Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen. Tatjana ist nämlich das schönste Mädchen der Klasse, und Maik ist verliebt in sie. Vereint in ihrem Außenseiterdasein brechen die beiden Freunde aus: Sie knacken einen Lada und fahren los, die sogenannte ‚Walachei’ ist ihr Ziel. Leider haben sie keine Straßenkarte und der Kompass aus dem Kaugummiautomaten ist auch Schrott.
Daher landen sie zwar in den schönsten Landschaften, aber nie da, wohin sie eigentlich wollten. Die beiden Freunde kutschieren mit dem klapperigen Lada durch die ehemalige DDR und die Geschichte entwickelt sich zu einem echten Roadmovie mit Abenteuer, Stress, Spannung und Spaß. Der Autor schreibt im besten Jugendjargon: Die Sprache wirkt völlig authentisch. Maik und Tschick geraten auf eine Hausmülldeponie, in die Wüste eines verlassenen Braunkohlentagebaus und in einsame und trostlose Gegenden. Sie wundern sich über die Schönheiten der Natur: Bis jetzt war ihnen die Natur nämlich eher egal. Sie bauen zwei gefährliche Unfälle und begegnen Isa von der Müllkippe, die den Maik gerne geküsst hätte. Die Reise endet vor dem Jugendrichter, der jedoch gnädig urteilt.
Hier noch eine Leseprobe von der Gerichtsverhandlung (S. 232):
“Als ich in den Gerichtssaal reinkam, saß der Richter schon hinter seiner Theke und zeigte mir, wo ich Platz nehmen sollte, an einem Tischchen fast wie in der Schule. Der Richter hatte einen schwarzen Poncho an, und rechts von ihm saß eine Frau und surfte die ganze Zeit im Internet, jedenfalls sah das so aus. Ab und zu tippte sie ein bisschen, aber sie guckte eine Stunde lang nicht vom Computer auf. Und ganz links saß noch einer im schwarzen Poncho. Wie sich herausstellte, der Staatsanwalt. Die schwarze Kleidung scheint ein wichtiger Bestandteil vom Gericht zu sein…”
Das Buch steht in der Jugendbibliothek unter dem Thema “Freundschaft” und im Bestsellerregal in der Erwachsenenabteilung der Stadtbibliothek. Altersempfehlung: ab 13 Jahren. Jungen und Mädchen können es gleichermaßen lesen, Erwachsene aber auch. Dem Buch ist zu wünschen, dass es einmal verfilmt wird.
Herrndorf, Wolfgang: tschick : Roman. – Berlin: Rowohlt, 2010. – 253 Seiten. – ISBN 978-3-87134-710-8. – Deutscher Jugendliteraturpreis 2011. – 16,95 €
Schlagwörter: Abenteuer, Außenseiter, Erste Liebe, Freundschaft, Jugendliche, Jungen.


