25. August 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Am 8. August hat der Schauspieler Dustin Hoffman seinen 70. Geburtstag gefeiert. Ein schöner Anlass, um an die Anfänge dieses Ausnahme-Schauspielers zu erinnern: »Die Reifeprüfung« und sein Soundtrack von Simon & Garfunkel sind nun 40 Jahre alt und haben damit längst den Status von »Klassikern«. Es war Hoffmans erste Hauptrolle und mit ihr begründete er seinen Weltruhm. Hoffman erinnert sich, wie ihm nach der Premiere der Films die legendäre Hollywood-Kolumnistin Radie Harris voraussagte, dass von nun an in seinem Leben nichts mehr so sein werde wie zuvor.
»Die Reifeprüfung« erzählt die Geschichte des 20-jährigen Benjamin Braddock (Dustin Hoffman), der nach seinem erfolgreichen College-Abschluss ins Haus seiner Eltern zurückkehrt. Er ist ein etwas schüchterner junger Mann, dem seine Zukunft Sorgen macht. Da er aber ein Stipendium für den Besuch der Universität gewonnen hat, veranstalten seine Eltern eine große Willkommensfeier für ihn. An diesem Abend versucht die sehr viel ältere Frau eines Geschäftspartners seines Vaters, Mrs. Robinson (Anne Bancroft), ihn zu verführen. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Benjamin auf diese Affäre ein, die bald zum einzigen Inhalt seiner Tage wird. Dramatisch wird die Lage aber erst, als Benjamin von seinen Eltern dazu gedrängt wird, Elaine (Katharine Ross), die Tochter seiner Geliebten, auszuführen und er sich prompt in sie verliebt. Von diesem Augenblick an versucht Mrs. Robinson mit allen Mitteln, eine Liebesbeziehung zwischen den beiden zu vereiteln …
Völlig zu Recht hat Regisseur Mike Nichols mit diesem Meisterwerk 1968 den Oscar für die beste Regie gewonnen.
»Die Reifeprüfung«. USA, 1967. DVD, Kinowelt. Länge: ca. 102 Minuten. Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch. Extras: Interview mit Dustin Hoffman. FSK: ab 12 Jahre. Preis: ca. € 9,–.

Loading ...
Kommentieren » | Film
18. August 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Als vor beinahe zweihundertfünfzig Jahren die ersten beiden Bände des Romans »Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman« erschienen, war ihr Autor Laurence Sterne (1713–1768) ein kleiner Landgeistlicher in Yorkshire, von dem in der Weltmetropole London bis dahin kein Mensch gehört hatte. Und obwohl Kritiker dem Buch eher misstrauisch gegenüberstanden, wurde es in kurzer Zeit ein Bestseller. Es war in London in aller Munde, man erwartete gespannt die folgenden Teile (es sollten bis 1767 insgesamt neun werden), und sehr rasch erfolgten die ersten Übersetzungen ins Deutsche und Französische. Auch auf dem Kontinent wurde das Buch ein großer Erfolg und wurde rasch zum meistgelesenen Buch in Europa neben der Bibel und den Epen Homers. Und obwohl es in Deutschland seitdem immer wieder neu übersetzt wurde, und es keine Zeit gab, in der es nicht im Druck war, ist es auch heute beinahe immer noch ein Geheimtipp.
Dabei ist es wahrscheinlich eines der witzigsten Bücher der Welt. Wie der Titel sagt, erzählt Tristram Shandy dem Leser sein Leben, und er geht dabei mit großer Gründlichkeit vor: Beginnend mit dem Tag seiner Zeugung braucht er immerhin bis zum dritten Band, um zu seiner Geburt zu gelangen. Das liegt daran, dass ihm unterwegs dauernd Abschweifungen einfallen, und so gerät er vom Hundertsten in Tausendste: Immer muss noch eine Geschichte erzählt, noch eine Figur eingeführt, noch ein Detail erklärt werden, bevor Tristram Shandy weitererzählen kann. All das wird mit großem Humor vorgetragen, und der Leser folgt nach wenigen 50 Seiten atemlos den immer neuen Wendungen und Verwerfungen dieses erfundenen Lebens.
Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman. Aus dem Englischen von Michael Walter. Eichborn Verlag, 2006. ISBN: 978-3-8218-0733-1. Preis: € 39,90.

Loading ...
Kommentieren » | Buch
11. August 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Der britische Bestsellerautor Peter Mayle (»Mein Jahr in der Provence«) und der britische Star-Regisseur Ridley Scott (»Blade Runner«, »Gladiator«) sind Nachbarn. Beide leben in der Provence, und bei der Silvesterfeier 2002/2003 in Mayles Haus unterhielten sie sich über die Erfahrungen, die Briten in Frankreich machen können. Aus diesem Gespräch erwuchs die Idee für Mayles Buch »Ein guter Jahrgang« (2004). Nur wenige Monate nach dessen Erscheinen hat Ridley Scott in der Provence frei nach dieser Vorlage einen Film gedreht: »Ein gutes Jahr«.
Erzählt wird die Geschichte Max Skinners (Russell Crowe), eines ebenso skrupellosen wie erfolgreichen Londoner Börsenmaklers, der gerade eine hoch profitable, aber nicht ganz legale Börsen-Manipulation abgewickelt hat. Da erfährt er, dass sein Onkel Henry (Albert Finney) verstorben ist und ihm sein Weingut in der Provence vererbt hat.
Max fliegt für zwei Tage nach Südfrankreich, um sich den Zustand des Gutes anzuschauen, auf dem er als Kind regelmäßig den Sommer verbracht hat. Er will Haus und Grund rasch zu Geld machen. In London spitzt sich derweil die Lage zu, und als Max aufgrund eines Unfalls seinen Rückflug nach London verpasst, wird er von seinem Chef in Zwangsurlaub geschickt.
Das gibt ihm Zeit, das Haus für den geplanten Verkauf herzurichten. Aber es kommt alles ganz anders: Er befreundet sich mit Francis Duflot (Didier Bourdon), der das Gut bewirtschaftet, verliebt sich in Fanny (Marion Cotillard) und dann taucht wie aus dem Nichts auch noch Henrys uneheliche Tochter Christie (Abbie Cornish) auf …
Eine leichte und unterhaltsame Sommerkomödie.
»Ein gutes Jahr«. USA, 2006. DVD, 20th Century Fox. Länge: ca. 113 Minuten. Sprachen: Deutsch und Englisch. Extras: Kommentar (inkl. Making-of) von Regisseur und Drehbuch-Autor. FSK: o. Altersbeschr. Preis: ca. € 18,–.

Loading ...
Kommentieren » | Film
4. August 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Im September 1905 erschien ein Aufsatz Einsteins, in dem der Zusammenhang zwischen Materie und Energie auf die handliche Formel E = mc² gebracht wird. Damit war die Idee geboren, dass Materie vollständig in Energie umgewandelt werden könne, wobei gewaltige Mengen von Energie frei werden. Noch bevor eine technische Anwendung dieser Idee auch nur absehbar war, erschien 1922 ein utopischer Roman von Karel ÄŒapek (1890–1938): »Das Absolutum«. ÄŒapek, unter anderem Miterfinder des Begriffs »Roboter« und Briefpartner Thomas Manns, lässt darin einen Ingenieur das Problem der Materieumwandlung lösen: Er baut eine Maschine, die Materie kontrolliert in Energie umwandeln kann.
Leider stellt sich dabei heraus, dass die Materie aufs Engste mit dem Göttlichem verbunden ist, und da die Materie vollständig verschwindet, wird das in ihr gebundene Göttliche, das Absolutum, frei. Freies Absolutum hat zwei Effekte: Zum einen verwandelt es Menschen, die ihm ausgesetzt sind, in religiöse Eiferer, zum anderen setzt es die göttliche Schaffenskraft in ungebremste Tätigkeit um: Das Absolutum übernimmt die Maschinen aller Fabriken, in denen die neue Energiequelle eingesetzt wird, und produziert so in kürzester Zeit riesige Mengen aller möglichen Güter. Es ist einleuchtend, dass dies binnen Kurzem zum Zusammenbruch der kompletten Weltwirtschaft führt. Zeitgleich verschenken die vom Absolutum bekehrten Bankangestellten alles verfügbare Geld an Arme und Bedürftige – in wenigen Monaten ist das Chaos perfekt …
Dieser kleine satirisch-utopische Roman ist derzeit leider nur antiquarisch erhältlich oder kann in der Stadtbibliothek Solingen ausgeliehen werden.
Karel ÄŒapek: Das Absolutum oder die Gottesfabrik. Suhrkamp Taschenbuch, 1990.

Loading ...
Kommentieren » | Buch