24. November 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Am 26. November jährt sich der Todestag von Joseph von Eichendorff zum 150. Mal. Als Eichendorff starb, hatte er seine Epoche so sehr überlebt, dass er es bereits mehrfach in Nachschlagewerken für tot erklärt worden war. Im Jahr 1851 übersandte Otto von Bismarck seiner Frau eine Ausgabe der Gedichte Eichendorffs und fragte im beiliegenden Brief erstaunt: »Weißt Du, daß der Mann noch lebt?«
Mit Eichendorff starb der letzte Vertreter der Romantik, und in den folgenden Jahren war es sein »Aus dem Leben eines Taugenichts«, der für viele zu einem der Musterstücke dieser Literaturepoche wurde. Seit dem Erscheinen der ersten Buchausgabe im Jahr 1826 blieb seine Beliebtheit bei den Lesern ungebrochen, und es folgten ungezählte, auch illustrierte Ausgaben. Erzählt wird in leichtem, immer ironischen Ton die Geschichte eines namenlosen Taugenichts, der mit schlafwandlerischer Sicherheit in die Welt hinein zieht, sorglos seine Geige spielt, sich verliebt, Gärtner und Steuereinnehmer wird, nach Italien reist, wo ihm die Rosinen von selbst in den Mund wachsen, und zum guten Schluss nach vielen Wirrungen auch seine geliebte schöne Frau und ein kleines Häuschen bekommt.
Anlässlich des Eichendorff-Jahres hat der Reclam Verlag eine großformatige, illustrierte Neuausgabe mit Bildern von Hans Traxler herausgegeben. Traxlers weiche und humorvolle Bilder spiegeln den Geist der Erzählung auf ganz wundervolle Weise wider; die Ausstattung des Bandes mit bedrucktem Leineneinband, hochwertigem Papier und Fadenheftung macht das Buch auch zu einem idealen Geschenk für sich und andere.
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. Mit 20 Bildern von Hans Traxler. Stuttgart: Reclam, 2007. ISBN: 978-3-15-010626-6. Preis: € 16,90.

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17. November 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Als Alfred Andersch im Juni 1955 beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart zum verantwortlichen Redakteur unter anderem für das Nachtprogramm wurde, hatte er sich schon einige Jahre lang für seinen Altersgenossen Arno Schmidt (1914-1979) aktiv eingesetzt. Nun hatte Andersch endlich die Möglichkeit, Schmidt lukrative Aufträge zukommen zu lassen. Schmidt lebte damals noch in finanziell recht bedrängten Verhältnissen, denn seine Bücher verkauften sich nur schleppend und als Zubrot musste er englische Romane übersetzen.
Andersch erfand damals die Form des ›Radio-Essays‹, etwa einstündige, literarisch geprägte Funksendungen, die sich im Dialog zweier Sprecher intensiv eines Themas annahmen. Und so entstanden mit den Jahren auch zahlreiche Rundfunksendungen aus der Feder Arno Schmidts. Das Osnabrücker Musik- und Hörbuch-Label cpo hat vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit dem SWR eine Auswahl dieser Radio-Essays auf CD wieder zugänglich gemacht.
Natürlich werden dabei einige von Schmidts Hausheiligen abgehandelt, so etwa Karl May, Ludwig Tieck oder James Joyce. Aber es gibt auch echte Entdeckungen zu machen, wenn Schmidt zum Beispiel die Lyrik des spätbarocken Dichters Barthold Heinrich Brockes wegen ihrer Naturnähe und genauen Beobachtung lobt oder eine Einführung in die imaginären Welten gibt, in die sich die Geschwister Brontë miteinander geflüchtet haben und die damals in Deutschland noch praktisch unbekannt waren.
Inzwischen ist der ersten eine zweite Auswahl gefolgt, was für die fortbestehende Aktualität und Attraktivität dieser Rundfunk-Perlen der 50-er und 60-er Jahre spricht.
Arno Schmidt: Nachrichten von Büchern und Menschen. Elf originale Radio-Essays. Osnabrück: cpo, 2003. 12 CDs mit zusammen ca. 750 Minuten Laufzeit. € 39,99.

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10. November 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Nick Naylor (Aaron Eckhart) hat einen der schwierigsten Jobs, die man sich vorstellen kann: Er ist Repräsentant der amerikanischen Tabak-Industrie und deshalb einer der bestgehassten Männer in den USA. Nick liebt die Herausforderung seines Jobs, eine Interessengruppe zu verteidigen, die eigentlich nicht zu verteidigen ist. Er ist der führende Lobbyist einer Industrie, die sich allein in den USA täglich 1.200 Tote anrechnen lassen muss. Kurz gesagt: Nick Naylor ist hauptberuflicher Zyniker.
Eines Abends sitzt er vor dem Fernseher, und als sich John Wayne gerade eine Zigarette anstecken will, greift Nick unbewusst selbst zu seiner Packung – da hat er eine großartige Idee: Wie wäre es, wenn man Hollywood dazu bringen könnte, seine Stars wieder rauchen zu lassen? Nick fliegt deshalb nach Los Angeles und trifft sich mit dem Chef der wichtigsten PR-Agentur für Hollywood, um die Möglichkeiten zu sondieren. Auf dieser Reise begleitet ihn sein heranwachsender Sohn Joey (Cameron Bright), der sonst bei seiner Mutter und deren Freund lebt und den Nick nur an Wochenenden sieht. Joey vergöttert seinen Vater, bewundert ihn für seine rhetorische Überlegenheit und versucht, ihm nachzueifern.
Doch dann droht während einer der zahlreichen Talkshows, in denen Nick auftritt, einer der ins Studio geschalteten Anrufer, Nick innerhalb der nächsten Woche umzubringen …
»Thank You For Smoking« ist die Verfilmung eines amerikanischen Bestsellers, der ein bitterböses Portrait der amerikanischen Tabak-Industrie zeichnet. Regisseur Jason Reitman hat mit diesem Film seinen ersten internationalen Erfolg feiern können. Ein Film, bei dem einem oft genug das Lachen im Hals stecken bleibt.
»Thank You For Smoking«. USA, 2005. DVD, Twentieth Century Fox. Länge: ca. 88 Minuten. Sprachen: Deutsch, Englisch u. Türkisch. Extras: Nicht verwendete Szenen; Kommentar von Regisseur u. Schauspielern; Trailer. Preis: ca. € 10,-.

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3. November 2007, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Sigrid Damm schreibt seit über zwanzig Jahren Biografien zu Personen im direkten Umfeld Goethes. Ihr Buch über »Christiane und Goethe« (1998), in dem Goethes langjährige Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Christiane Vulpius im Mittelpunkt steht, war ihr bislang größter Publikumserfolg. Mit »Goethes letzte Reise« legt sie nun zum ersten Mal ein Buch vor, das sich direkt und unmittelbar mit der Person Goethes beschäftigt.
Das Buch ist keine Biografie im klassischen Sinne, sondern eine ausführliche Erzählung über Goethes letzte Lebensjahre. Den Rahmen bildet der letzte Ausflug Goethes im August 1831. Er fährt mit seinen beiden Enkeln Walther (13) und Wolfgang (10) ins nahe gelegene Ilmenau. Zweck der Reise ist es in erster Linie, den Weimarer Feierlichkeiten zu seinem 81. Geburtstag zu entgehen. Zwar ist dem alten Meister der Gedanke lieb, dass sich andere versammeln, um seiner zu gedenken, aber er selbst zieht sich gern von solchen Anlässen zurück und überlässt das Feiern anderen. Statt dessen begibt er sich diesmal mit seinen Enkeln auf den Kickelhahn, einen Berg in der Nähe Ilmenaus, und besucht dort die Jagdhütte, in der er 1780 sein berühmtes Gedicht »Über allen Gipfeln ist Ruh« geschrieben hat …
Sigrid Damm nutzt diesen letzten Ausflug des alten Goethe zu einem breit angelegten Porträt seiner letzten Lebensjahre. Sie thematisiert ausführlich den Abschluss des zweiten Teils des »Faust«, Goethes letzte Liebe zu Ulrike von Levetzow, den Verlust seines Sohnes August, der auf einer Reise in Rom stirbt, und schließlich auch die letzten Tage seines Lebens im März 1832.
Ein ruhiges und nachdenkliches Buch für Goethe-Freunde und jene, die es werden wollen.
Sigrid Damm: Goethes letzte Reise. Frankfurt/M.: Insel Verlag, 2007. ISBN: 978-3-458-17370-0. Preis: € 19,80.

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