Archiv für Januar 2008


Stranger Than Fiction

26. Januar 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Harold Crick (Will Ferrell) ist Steuerprüfer der US-amerikanischen Steuerbehörde IRS. Er lebt ein durch und durch geregeltes und gänzlich unauffälliges Leben. Jeder Tag gleicht dem anderen: Nach dem Aufstehen zählt Harold im Bad, wie oft er seine Zahnbürste auf und ab bewegt, bindet einen zeitsparenden Krawattenknoten und geht eine genau abgezählte Anzahl von Schritten zur Bushaltestelle. Im Büro multipliziert er für seine Kollegen dreistellige Zahlen im Kopf und ist auch sonst der langweiligste Mensch, den man sich vorstellen kann.

Karen Eiffel (Emma Thompson) ist Schriftstellerin und hat gerade große Schwierigkeiten mit ihrem neuen Buch: Sie kann einfach keinen richtigen Weg finden, ihren Helden sterben zu lassen.

Karen Eiffel schreibt einen Roman über Harold Crick! Weder weiß Karen, dass Harold tatsächlich existiert, noch hat Harold auch nur die geringste Ahnung von der Existenz der Schriftstellerin Karen. Doch eines Morgens hört Harold in seinem Kopf eine Stimme, die sein Leben erzählt. Zuerst ist Harold nur leicht verwirrt, aber dann gerät zusehends sein Alltag durcheinander: Er kann sich nicht mehr konzentrieren, macht Fehler beim Kopfrechnen, ja, er verliebt sich sogar. Doch als die Stimme in seinem Kopf seinen unmittelbar bevorstehenden Tod ankündigt, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Harold macht sich auf die Suche nach der Erzählerin seines Lebens …

Regisseur Marc Forster (»Drachenläufer«) ist es gelungen, aus einer völlig skurrilen Ausgangssituation heraus eine amüsante und bewegenden Komödie zu entwickeln.

»Schräger als Fiktion«. USA, 2006. DVD, Sony. Länge: ca. 108 Minuten. Sprachen: Deutsch u. Englisch. Extras: 2 Audio-Kommentare, zahlreiche Dokumentationen, Deleted Scenes. Preis: ca. € 10,-.

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Der Ruinenbaumeister

19. Januar 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Herbert Rosendorfer, geb. 1934, ist einer der produktivsten deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegszeit und das, obwohl er im Hauptberuf Jurist war und bis zu seiner Pensionierung 1997 als Amtsrichter in München und zuletzt in Naumburg tätig gewesen ist. Bereits 1969, noch als Gerichtsassessor in Bayreuth, veröffentlichte er seine ersten Bücher: Einen satirischen Stadtführer »Bayreuth für Anfänger«, den er unter Pseudonym erscheinen ließ, da er befürchtete in der Provinzstadt Bayreuth sonst einigen Anfeindungen ausgesetzt zu sein, und seinen ersten Roman »Der Ruinenbaumeister«. Seitdem erschienen mit großer Regelmäßigkeit Romane, Erzählungen und Sachbücher, aber auch einige Theaterstücke und Drehbücher für das deutsche Fernsehen. Seinen größten Erfolg dürfte er 1985 gehabt haben, als die Erzählung »Briefe in die chinesische Vergangenheit« sich zu seinem besten Verkaufserfolg entwickelte. Derzeit schreibt Herbert Rosendorfer an einer umfangreichen deutschen Geschichte, einer historischen Erzählung von einem Laien für Laien, von der bislang fünf Bände vorliegen.

»Der Ruinenbaumeister« nennt sich zwar Roman, ist im Wesentlichen aber eine Sammlung humorvoller, phantastischer und skurriler Erzählungen, die auf vielfältige und sonderbare Weise miteinander verknüpft und ineinander verwoben sind. Die Rahmenhandlung bildet eine Traumwelt, in der eine Gruppe von Menschen vor dem Weltuntergang in eine sonderbare Konstruktion, Zigarre genannte, fliehen muss. Dort verbringen sie scheinbar sorglos ihre Zeit damit, sich gegenseitig Geschichten und Träume zu erzählen. Ein phantasievolles Leseabenteuer, wie man es sonst nur selten findet.

Herbert Rosendorfer: Der Ruinenbaumeister. dtv 11391. ISBN: 978-3-423-11391-5. Preis: € 10,-.

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Napoleon I.

12. Januar 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Wenn man sich fragt, welche Einzelperson den größten Einfluss auf das Europa des 19. Jahrhunderts gehabt hat, so gehört Napoleon Bonaparte ganz sicherlich zu den ersten Kandidaten. Sohn einer alteingesessenen korsischen Familie, wird Napoleon für den Militärdienst bestimmt und durchläuft bis 1785 erfolgreich die Ausbildung für Offiziere. 1789 bricht die französische Revolution aus, die die gesellschaftlichen Verhältnisse Frankreichs von unten nach oben kehrt. Ab 1793 beginnt dann Napoleons Aufstieg zur Macht: Nach der Rückeroberung von Toulon wird er Brigadegeneral, 1795 beweist er bei der Niederschlagung eines royalistischen Aufstands »republikanische Gesinnung« und wird 1796 Oberbefehlshaber der sogenannten Italienarmee Frankreichs.

Mit seinen militärischen Erfolgen und seinem politischen Geschick im Krieg in Oberitalien legt Napoleon das Fundament für die Übernahme der Macht in Paris, die schließlich 1799 erfolgt. Napoleon erklärt die Revolution für beendet und beginnt mit der Eroberung Europas: Binnen weniger Jahre besiegt er die Großmächte Österreich und Preußen, erobert mit Ausnahme Groß-Britanniens und der Schweiz ganz Westeuropa und versucht schließlich, Russland niederzuzwingen. Auch wenn Napoleon am Ende scheitert und besiegt wird, so haben doch die Jahre der napoleonischen Herrschaft Europa für immer verändert.

Johannes Willms, Historiker und Journalist und einer der besten deutschen Frankreich-Kenner, hat 2005 eine gut lesbare und beeindruckend kenntnisreiche Biographie Napoleons vorgelegt. Mit zahlreichen Briefzeugnissen lässt er ein lebendiges Porträt dieses militärischen und machtpolitischen Genies entstehen.

Johannes Willms: Napoleon. München: Pantheon, 2007. ISBN: 978-3-570-55029-8. Preis: € 16,95.

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Bobby

5. Januar 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

1968 war ein krisenhaftes Jahr sowohl in Europa als auch in Amerika: Dr. Martin Luther King, der Führer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, wird am 4. April im Memphis erschossen, Rassenunruhen sind Folge davon, der Krieg in Vietnam verschärft sich weiter und der Blutzoll, den das amerikanische Volk zu zahlen hatte, führte zu landesweites Protesten von Jugendlichen, Veteranen und Bürgerrechtlern.

In dieser innen- und außenpolitisch angespannten Lage entschließt sich der New Yorker Senator Robert F. Kennedy, Bruder des 1963 ermordeten John F. Kennedy, von seinen Anhängern familiär Bobby genannt, für die Demokraten als Präsidentschafts-Kandidat anzutreten. An dem Abend des 4. Juni 1968, nachdem er die Vorwahlen in Kalifornien deutlich für sich entschieden hatte, hält er im Ambassador Hotel, Los Angeles, eine Dankesrede an seine Mitarbeiter. Als er den Saal anschließend durch den Küchentrakt verlässt, wird er von einem Palästinenser niedergeschossen. Am 6. Juni 1968 erliegt er seinen Verletzungen.

Der Film »Bobby« porträtiert den Verlauf des 4. Juni im Ambassador Hotel. Dabei verfolgt Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez 22 verschiedene Personen, von der Küchenhilfe bis zur Diva, vom Wahlkampf-Helfer bis zu einem jungen Ehepaar. Nahezu alle diese Rollen sind unglaublich prominent besetzt: Harry Belafonte, Anthony Hopkins, Laurence Fishburn, Helen Hunt, Martin Sheen, Demi Moore, Sharon Stone, Elijah Wood, William H. Macy und, und, und. Dabei gelingt dem Film nicht nur ein überzeugendes Kaleidoskop menschlicher Geschichten, sondern jedes dieser Blitzlichter beleuchtet auch einen Aspekt der US-Kultur am Ende der 60er Jahre.

»Bobby«. USA, 2006. 2 DVDs, Arthaus. Länge: ca. 112 Minuten. Sprachen: Deutsch u. Englisch. Extras: Making-of; 3 Dokumentationen; Interviews mit Regisseur und Stars. Preis: ca. € 18,-.

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