26. April 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Unter den Anthologien sind Gedichtsammlungen unzweifelhaft die beliebtesten: Klassiker wie Ludwig Reiners »Der ewige Brunnen« oder Echtermeyer/von Wieses »Deutsche Gedichte« sind zu Zehntausenden verkauft und verschenkt worden, und auch Karl Otto Conradys großes Gedichtbuch, jetzt als »Der neue Conrady« im Buchhandel, hat sich mit den Jahren in zahlreichen Bücherschränken eingefunden.
Reclam hat nun dieses Angebot um eine weitere umfangreiche Sammlung ergänzt: Heinrich Detering, selbst ein nicht unbedeutender Lyriker und Übersetzer von Lyrik, hat auf 1.000 Seiten deutsche Gedichte vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert versammelt. Seine Auswahl zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die einzelnen Autoren, darunter auch Überraschungen wie etwa Wolfgang Amadeus Mozart, beinahe immer nur mit einem Blitzlicht ihrer Gedichte erscheinen lässt. Detering setzt trotz des Umfangs der Sammlung eher auf Qualität als auf Quantität. Dass es dennoch insgesamt 1.000 Seiten geworden sind, liegt auch daran, dass er der deutschen Nachkriegslyrik bis ins 21. Jahrhundert hinein einen breiten Raum einräumt und so auch junge oder eher unbekannte Dichter zu Wort kommen. Bei zahlreichen Gedichte gibt Detering in kurzen sachlichen Erläuterungen Hilfestellung zum Verständnis, bevormundet den Leser aber nirgendwo. Im Anhang finden sich kurze biografische Porträts zu allen Verfassern, die für die historische Einordnung der Gedichte nützliche Informationen liefern.
Eine spannende, oft auch den Kenner überraschende Auswahl deutscher Gedichte, sowohl zum entdeckenden Stöbern als auch zur systematischen Lektüre geeignet.
Reclams großes Buch der deutschen Gedichte. Ausgewählt u. hg. v. Heinrich Detering. Stuttgart: Reclam, 2007. ISBN: 978-3-15-010650-1. Preis: € 36,90.

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19. April 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
In Zugzwang gerät ein Schachspieler, wenn er dadurch, dass er am Zug ist, zwangsläufig verlieren muss: Jeder mögliche Zug bringt seinem Gegner einen entscheidenden Vorteil.
Der Roman »Zugzwang« von Ronan Bennett spielt im Frühjahr 1914 in Petersburg. Im Mittelpunkt steht der Psychoanalytiker Otto Spethmann, bei dem eines Tages unverhofft ein Polizei-Inspektor auftaucht, um ihn in einer Mordsache zu befragen, bei der in der Jacke des Opfers Spethmanns Visitenkarte gefunden wurde. Spethmann gibt wahrheitsgemäß an, dass ihm der Name des Ermordeten nichts sage, wird aber – zusammen mit seiner Tochter – für den nächsten Tag aufs Polizeirevier geladen.
Noch am selben Abend erzählt er dies einer seiner Patientinnen, die daraufhin ihren einflussreichen Vater bittet, sich beim Innenministerium für Spethmann zu verwenden. Doch wird damit gerade das Gegenteil erreicht: Der Inspektor gibt nicht nach, sondern inhaftiert Vater und Tochter. Es stellt sich sehr bald heraus, dass Spethmanns Tochter den Ermordeten sehr wohl gekannt hat. Sie weigert sich aber hartnäckig, der Polizei mitzuteilen, was sie über ihn weiß. Zwar werden die beiden nach einigen Wochen wieder aus der Haft entlassen, aber damit beginnen erst die Verwicklungen, die langsam, aber sicher eine brisante politische Verschwörung offenbaren …
Bennett hat mit »Zugzwang« ein flottes Buch geschrieben, das zwischen Historischem Roman und Agententhriller changiert. Dass er es vor dem Hintergrund des berühmten Schachturniers 1914 in Petersburg spielen lässt, bleibt zwar eher dekorativer Natur, tut der Geschichte aber auch weiter keinen Abbruch. Echtes Lesefutter für alle, die Spannung lieben.
Ronan Bennett: Zugzwang. Berlin: Bloomsbury, 2007. ISBN: 978-3-8270-0681-3. Preis: € 19,90.

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12. April 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Das Women’s Institute (WI) ist die größte Frauenorganisation Englands. Etwa 205.000 Frauen sind in über 7.000 lokalen Gruppen organisiert. Es handelt sich um eine eher traditionelle Organisation, die sich besonders im ländlichen Raum der Pflege häuslicher Fähigkeiten widmet: Handarbeiten, Backen, Gartenpflege. Natürlich zählen auch wohltätige Aktivitäten zu ihren Aufgaben. Eine der beliebtesten Einnahmequelle stellt dabei der jährliche WI-Kalender dar.
Der Film »Kalender Girls« erzählt die wahre Geschichte einer WI-Gruppe, in der zwei unorthodoxe Frauen, Chris (Helen Mirren) und Annie (Julie Walters), die Idee entwickeln, den üblichen, langweiligen Kalender mit Nacktfotos aufzupeppen. Neun weitere Damen im besten Alter, die bereit sind, sich dafür auszuziehen, sind schnell gefunden. Weit komplizierter ist es, an einen Fotografen heranzukommen, der das richtige Konzept zur Gestaltung des Kalenders hat. Und dann ist der Fotograf ein Mann, und die meisten der Kalender-Girls haben sich noch nie vor einem Fremden ausgezogen. Und zu guter Letzt muss auch noch die nationale Leitung des WI von dem Projekt überzeugt werden.
Nachdem die Kalender-Girls alle diese Schwierigkeiten ebenso gutgelaunt wie hartnäckig überwunden haben, stehen sie mit einem Schlag im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit: Sie erscheinen auf allen Titelseiten, das Fernsehen berichtet auf allen Kanälen und schließlich erhalten sie sogar einen Anruf aus Hollywood …
Eine fröhliche und lebendige Komödie bester englischer Tradition.
»Kalender Girls«. GB/USA, 2003. FSK: ohne Altersbeschränkung. 1 DVD, Touchstone. Länge: ca. 104 Minuten. Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch. Extras: Interviews mit den echten Kalender-Girls; Making-of; nicht verwendete Szenen. Preis: ca. € 9,-.

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5. April 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Kennen Sie Obereidorf? Den bekannten Luftkurort im Reich der Heidehasen, in dem König Lamprecht VII. nach alter Väter Sitte herrscht? Einmal im Jahr steht Obereidorf im Zentrum der Aufmerksamkeit aller Heidehasen: Dort findet dann der berühmte Sängerkrieg statt. Und in diesem Jahr geht es nicht nur um die Ehre des besten Sängers, sondern auch um die Hand der schönen Prinzessin. Denn da Lamprecht VII. keinen Sohn hat, will es die Tradition, dass er seine Tochter mit dem besten Sänger des Reiches vermählt. Kein Wunder also, dass der Minister für Hasengesang und der Direktor des Hasen-Musikvereins ein Komplott schmieden: Gegen Zahlung von 100.000 Hasentalern will der Minister seinen Einfluss beim König zugunsten des Direktors verwenden, damit dieser Sieger wird.
Leider taucht aber unverhofft ein begabter Konkurrent auf: Der junge Hüpfer Lodengrün bewirbt sich um die Zulassung zum Sängerkrieg und stellt dabei seine famose Stimme unter Beweis. Minister und Direktor beschließen daher, dafür zu sorgen, dass er nicht rechtzeitig zum Sängerkrieg erscheinen wird. Aber wie so oft haben die Bösewichte ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht …
Der Helgoländer James Krüss hat mit »Der Sängerkrieg der Heidehasen«, der 1958 zum ersten Mal auf Platte erschien, ein kleines, humoristisches Meisterstück geliefert. Zum Glück ist diese Produktion, die u. a. mit so brillanten Sprechern wie Charles Regnier, Franz Muxeneder, Klaus Havenstein und Marianne Brandt glänzt, wieder lieferbar. Ergänzt wird das Hörspiel durch ein Büchlein im Carlsen Verlag, das nicht nur von Ole Könnecke aufs Liebevollste illustriert wurde, sondern auch alle vorgetragenen Lieder mit Noten liefert.
James Krüss: Der Sängerkrieg der Heidehasen. Hamburg: HÖRCOMPANY, 2005. 1 CD, 33 Minuten Laufzeit. Preis: ca. € 14,00.

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