26. Juli 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Giovannino Guareschi wurde am 1. Mai 1908 in einem kleinen Dorf in der Po-Ebene geboren, unweit des Dorfes Brescello, in dem später die Filme nach seinen Büchern gedreht wurden. Er stammt also aus dem Herzen jener Gegend, die er durch seine Geschichten von Don Camillo und seinem ewigen Widersacher, dem Bürgermeister Giuseppe Bottazzi, genannt Peppone, weltberühmt machen sollte. Guareschi verbrachte die letzten beiden Kriegsjahre in deutscher Gefangenschaft und gründete gleich nach seiner Entlassung eine satirische Wochenzeitschrift. Für sie schrieb er auch die ersten Geschichten über Don Camillo und seine kleine Welt – so der Titel der ersten Buchausgabe: »Mondo picollo«. Dieses Buch begründete rasch seinen internationalen Ruhm, denn noch vor der ersten Verfilmung erhielt er beim Po-Hochwasser 1951 Hilfspakete aus dem Ausland für »Don Camillos und Peppones Leute«.
Dieser Erfolg gründet einerseits in dem klaren, fundamentalen ideologischen Gegensatz zwischen dem katholischen Priester und dem kommunistischen Bürgermeister, den Guareschi direkt dem italienischen Nachkriegs-Alltag entlehnte, der andererseits gekontert ist durch die tiefe emotionale Verbundenheit der beiden miteinander. Sie entstammen nicht nur derselben Landschaft, die sie lieben, sondern haben auch gemeinsam den Widerstand gegen die deutschen Besatzer durchlebt. Und ihre tiefen, emotionalen Wurzeln siegen immer wieder über alle politischen und religiösen Gegensätze.
Guareschi verstarb viel zu früh vor beinahe genau 40 Jahren, am 22. Juli 1968, an einem Herzinfarkt. Seine kleine Welt und ihre Helden werden ihn noch sehr lange überdauern.
Giovannino Guareschi: Don Camillo und Peppone. Aus dem Italienischen v. Alfons Dalma. rororo 10215. ISBN: 978-3-499-10215-8. Preis: € 6,90.

Loading ...
Kommentieren » | Buch
19. Juli 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
P.G. Wodehouse (1851-1975) ist ein englischer, humoristischer Autor, der in Deutschland leider nicht so bekannt ist, wie er es verdient. Das liegt wohl daran, dass bis vor einigen Jahren seine Bücher nicht besonders gut übersetzt waren, was sich nun durch die Übersetzungen Thomas Schlachters geändert hat. Wodehouse bekannteste Figuren dürften zu Recht Bertie Wooster und sein Kammerdiener Jeeves sein, die inzwischen auch mit Hugh Laurie und Stephen Fry verfilmt wurden. Daneben hat Wodehouse zahlreiche weitere Romane verfasst, die ebenfalls zumeist um skurrile Figuren und Anekdoten des englischen Adels kreisen. Auch Amerikaner, die Wodehouse in seiner Zeit in Hollywood ausführlich kennenlernen durfte, gehören zu seinem Standardpersonal.
So auch in »Jetzt oder nie!«, einer Komödie die hauptsächlich auf dem Landsitz Claines Hall in Sussex spielt: Im Mittelpunkt steht die junge Sally Fairmile, verarmte Nichte des amerikanischen Ehepaars Mabel und Howard Steptoe, die sich heimlich mit Lord Holbeton verlobt hat, der wiederum hofft, durch seine Verbindung mit Sally seinen Vormund, den Londoner Schinkenfabrikanten James Duff, zur Auszahlung seines Vermögens bewegen zu können. Doch als Sally bei James Duff vorspricht, erhält sie eine rüde Abfuhr. Doch zum Glück stellen sich gleichzeitig Verwicklungen ein: Der Maler Joss Weatherby verliebt sich in Sally und entschließt sich deshalb eine Stelle als Kammerdiener bei Howard Steptoe anzunehmen, und James Duff trifft auf seine alte Liebe Mrs Chavendar, die zufällig bei ihrer Freundin Mabel in Claines Hall wohnt. Als binnen Kurzem alle in Sussex eingetroffen sind, kann der vergnügliche Reigen der Verwirrungen beginnen …
P.G. Wodehouse: Jetzt oder nie! Aus dem Englischen v. Thomas Schlachter. Suhrkamp Taschenbuch 3774. ISBN: 978-3-518-45774-0. Preis: € 7,90.

Loading ...
Kommentieren » | Buch
12. Juli 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
An einem 25. März erwacht in Petersburg der Barbier Iwan Jakolewitsch, weil ihm der Geruch frisch gebackenen Brotes in die Nase steigt. Also setzt er sich zum Frühstück hin, um in aller Ruhe ein warmes Brot mit Zwiebeln zu essen. Doch man kann sich seinen Schreck vorstellen, als er beim Durchschneiden des Brotes eine eingebackene Nase findet, und nicht irgend eine Nase, sondern die des Kollegienassessors Major Kowalioff, der zu seinen Kunden gehört. Da Iwan Jakolewitsch am Vorabend zu betrunken war, um sich noch zu erinnern, wie die Nase ins Brot gekommen sein könnte, versucht er den Vorfall zu vertuschen: Er wickelt die Nase in ein Stück Papier und wirft sie von einer Brücke aus in die Newa.
Noch ärger allerdings erschreckt sich der gut aussehende Major Kowalioff, als er am selben Morgen erwacht und statt seiner Nase nur eine glatte Fläche in seinem Gesicht vorfindet. Kowalioff hofft auf eine Karriere in der russischen Verwaltung, vielleicht sogar einen Vizegouverneursposten. Aber wer wird einen Menschen ohne Nase anstellen? Und auch um seine Chancen beim schönen Geschlecht dürfte es ohne Nase schlecht bestellt sein. Als sei all dies nicht schlimm genug, erblickt Major Kowalioff, als er mit vorgehaltenem Schnupftuch durch Petersburg läuft, seine eigene Nase in Uniform aus einer Droschke steigen. Der Uniform nach zu urteilen hat die Nase den Rang eines Wirklichen Staatsrates. Trotz des Rangunterschieds entschließt sich Kowalioff, seine Nase anzusprechen …
Aus dieser absurden Konstellation heraus hat Nikolai W. Gogol (1809-1852) eine seiner witzigsten Erzählungen erschaffen.
Nikolai W. Gogol: Meistererzählungen. Aus dem Russischen von Sigismund von Radecki. Diogenes Taschenbuch detebe 21091. ISBN: 978-3-257-21091-0. Preis: € 9,90.

Loading ...
Kommentieren » | Buch
5. Juli 2008, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Western-Fans haben es nicht leicht heutzutage: Zwar bedient sie das Fernsehen von Zeit zu Zeit noch mit alten, oft noch gut erhaltenen Filmkonserven, auch bietet der DVD-Markt einiges, aber neue, qualitativ hochwertige Filme entstehen nur noch ganz selten. Umso mehr fallen die einzelnen Filme dann auf: So auch das Remake des alten Glenn-Ford-Klassikers »3:10 to Yuma«, dem der deutsche Verleih leider den unpassenden und reißerischen Titel »Todeszug nach Yuma« verpasst hat. 50 Jahre nach der ersten Verfilmung hat sich Regisseur James Mangold (»Cop Land«, »Walk the Line«) der Geschichte noch einmal angenommen und sie mit einem beeindruckenden Staraufgebot neu erzählt.
Es ist die Geschichte des verschuldeten Farmers Dan Evans (Christian Bale), eines versehrten Veterans des Bürgerkriegs, der mit Frau und zwei Söhnen auf einer kärglichen Farm sein Leben fristet. Die Armut und Dans Konfliktscheu führen zu Spannungen in der Familie: Seine Frau Alice (Gretchen Mol) ist müde und enttäuscht, und sein heranwachsender Sohn William (beeindruckend: Logan Lerman) hält ihn für einen Feigling. Da Dan die Farm verlieren wird, wenn er nicht rasch Geld auftreiben kann, kommt es ihm gerade recht, dass der notorische Postkutschenräuber Ben Wade (Russell Crowe) nach einem Überfall festgenommen wird. Um ihn dem Zugriff seiner Bande zu entziehen, muss er zum Zug nach Yuma transportiert werden. 200 Dollar kann Dan verdienen, wenn er Ben Wade pünktlich am Zug abliefert. Wie man sich denken kann, hört sich das viel einfacher an, als es ist …
»Todeszug nach Yuma«. USA, 2007. FSK: ab 16 Jahren. 1 DVD, Sony. Länge: ca. 118 Minuten. Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch. Extras: Regiekommentar, Making-of, Dokumentation, geschnittene Szenen. Preis: ca. € 18,-.

Loading ...
Kommentieren » | Film