Archiv für August 2008


Wie im Himmel

30. August 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Daniel Daréus (Michael Nyqvist) ist ein erfolgreicher Dirigent, dessen einzige Leidenschaft die Musik ist. Doch eines Tages bricht er bei einem Konzert in Mailand zusammen und wird in einen langen Erholungsurlaub geschickt. Daniel kehrt daher in das schwedische Dorf seiner Kindheit zurück. Da Daniel seit Beginn seiner Karriere einen Künstlernamen trägt, ist nicht zu befürchten, dass ihn im Dorf irgendjemand wiedererkennen wird.

Trotzdem bleibt Daniel nicht lange für sich: Kaum ist er in das alte Schulhaus eingezogen, lädt ihn der örtliche Kirchenchor zu einer seiner Proben ein. Daniel findet sich von der einfachen Musik des Chors tief bewegt und bewirbt sich nach kurzem Zögern um die Stelle des Kantors. Schon am nächsten Abend beginnt er, mit dem Chor zu proben.

Dabei steht seine Idee im Vordergrund, dass jeder Mensch eine ihm ganz eigentümliche Stimme habe, die er finden müsse. Außerdem glaubt er, dass musikalische Harmonie im Chor nur entstehen könne, wenn die Sänger auch in ihrem Zusammenleben harmonieren. Und so sind die ersten gemeinsamen Wochen für Daniel und den Chor ein gemeinsamer Aufbruch zu einer gänzlich neuen Art des Musizierens.

Bald hat Daniel die allermeisten Chormitglieder für sich gewonnen. Zwischen Daniel und Lena (Frida Hallgren), die im Dorf einen etwas zweifelhaft Ruf hat, entwickelt sich langsam ein engeres Verhältnis, das Daniel peu à peu zu sich selbst und seiner Heimat zurückfinden lässt …

Ein ruhiger und berührender Film von Kay Pollack, voller Gefühl und wunderbarer Musik.

»Wie im Himmel«. Schweden, 2004. FSK: ab 12 Jahren. 1 DVD, Paramount. Länge: ca. 127 Minuten. Sprachen: Deutsch, Schwedisch. Preis: ca. € 15,-.

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | Es liegt noch keine Bewertung vor.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Film

Der König auf Camelot

23. August 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Terence H. White (1906-1964) gehört mit seinem Hauptwerk »Der König auf Camelot« im englischsprachigen Raum zum Kanon der Schullektüren. Bei uns ist das Buch leider in die Ecke der sogenannten Fantasy-Literatur geraten, obwohl es dort nicht sehr gut hineinpasst.

White, der als Sohn englischer Eltern in Bombay geboren wurde, hatte sich bereits während seines Studiums mit dem Stoffkreis der Artus-Sagen beschäftigt. 1938 erschien dann unter dem Titel »Das Schwert im Stein« der erste von insgesamt vier Artus-Romanen Whites, in dem er ausführlich von Kindheit und Jugend des späteren Königs erzählt. Das Buch wurde sofort ein Erfolg und so ließ White in den beiden Folgejahren mit »Die Königin von Luft und Dunkelheit« und »Der missratene Ritter« zwei weitere Bände folgen. Abgeschlossen wurde die Serie allerdings erst 1958 mit dem Roman »Die Kerze im Wind«, der die Handlung bis in die letzten Wochen der Herrschaft des Königs vor­antreibt.

Es sind zwei Dinge die Whites Nacherzählung der Artus-Sage besonders auszeichnen: Er verzichtet zum einen auf alles geradezu Heldische, lässt im Gegenteil alle Figuren ausnehmend menschlich erscheinen. Sicher gibt es auch bei ihm den unbesiegbaren Lanzelot, aber viel wichtiger als dessen Rittertum ist seine unglückliche Liebe zu Ginevra und die daraus resultierende Verzweiflung des Helden. Zum anderen hat White die Artus-Sage mit Humor durchtränkt und dadurch die witzigste und respektloseste Fassung des Stoffkreises erschaffen.

Wem das Selbstlesen zu anstrengend ist, kann sich die vier Bücher auch in der exzellenten Lesung von Jochen Malmsheimer anhören.

T.H. White: Der König auf Camelot. Alle vier Bücher in einem Band. Aus dem Englischen von Rüdiger Rocholl. Stuttgart: Klett-Cotta, 2006. ISBN: 978-3-608-93713-8. Preis: € 25,-.

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | 1-mal bewertet; Durchschnitt: 5,00 Punkte.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

Pnin

16. August 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

»Bekannt ist Lolita – ich bin es nicht.« Mit diesen Worten fasste Vladimir Nabokov in unbeirrbarer Selbsterkenntnis seinen Status als Autor zusammen. 1899 in Petersburg geboren, floh er zusammen mit seiner Familie vor der Oktoberrevolution ins Ausland. Er studierte im englischen Cambridge und zog dann 1922 zu seiner Familie nach Berlin. Hier veröffentlicht er seine ersten Texte auf Russisch. 1934 geht die Flucht weiter: zuerst nach Paris und von dort aus 1940 in die USA. Im selben Jahr erscheint auch sein erster auf Englisch geschriebener Roman: »Das Leben des Sebastian Knight«.

Aber von literarischem Erfolg kann noch lange keine Rede sein. Stattdessen schlägt er sich als akademischer Lehrer für europäische und russische Literatur durch. Nebenher schreibt er weiter. Für sein anspruchsvollstes Projekt, »Lolita«, kann er lange keinen Verleger finden. Als dann der Skandal um dieses Buch Nabokov endlich bekannt machte, setzte gleich das nächste Missverständnis ein: Alle Welt redete nur über »Lolita«, kaum jemand interessierte sich für seine anderen Bücher.

Dabei hatte Nabokov 1957, noch vor dem Einsetzen des Skandals, seinen selbstironischsten Roman veröffentlicht: »Pnin« erzählt die Geschichte eines russischen Emigranten, der als Professor an einer kleinen amerikanischen Universität unterrichtet. Seine persönlichen Erfahrungen, sein mangelhaftes Englisch, sein eingesponnenes Gelehrtentum machen ihn zu einem skurrilen Außenseiter in seiner neuen Heimat. Diesen wundervollen humoristischen Roman hat der Schauspieler Ulrich Matthes in der exzellenten Übersetzung Dieter E. Zimmers komplett eingespielt. Eine Empfehlung für alle Freunde leis-ironischen Humors.

Vladimir Nakobov: Pnin. Gelesen von Ulrich Matthes. Berlin: Audio Verlag, 2002. 6 CDs, ca. 7 Stunden Gesamtspielzeit. Preis: ca. € 25,00.

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | Es liegt noch keine Bewertung vor.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Hörbuch

Ein mutiger Weg

9. August 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Das Journalisten-Ehepaar Mariane (Angelina Jolie) und Daniel Pearl (Dan Futterman) hält sich Anfang 2002 in Islamabad auf und berichtete über das Spannungsfeld zwischen Afghanistan, Pakistan und der El Kaida. Daniel, der für das Wall Street Journal arbeitet, verabschiedet sich am Morgen des 23. Januar von seiner hochschwangeren Frau in einen Tag voller Termine. Am Abend will er sich mit einem pakistanischen Moslemführer zu einem Interview treffen. Von diesem Termin kehrt Daniel Pearl nicht nach Hause zurück.

Noch in derselben Nacht alarmiert Mariane Verwandte, Freunde und Behörden von dem Verschwinden ihres Mannes. Es setzt eine rege internationale Zusammenarbeit ein, in der Journalisten sowie pakistanische und US-amerikanische Polizeibehörden kooperieren. Während die Polizei einer Festnahme der Entführer immer näher kommt, spitzt sich gleichzeitig die Lage für das Opfer weiter zu. Am Ende kann nicht verhindert werden, dass Daniel Pearl von seinen Entführern vor laufender Kamera ermordet wird.

Der Film von Michael Winterbottom (»9 Songs«, »A Cock and Bull Story«) erzählt minutiös und halb-dokumentarisch die wahre Geschichte der Entführung Daniel Pearls und der Bemühungen um seine Befreiung. Dabei führen der dokumentarische Stil und die exzellenten schauspielerischen Leistungen auch noch in den kleinsten Rollen zu einem ungewöhnlich intensiven Filmerlebnis. Grundlage für den Film ist das Buch, das Mariane Pearl nach der Ermordung ihres Ehemanns geschrieben hat.

»Ein mutiger Weg«. USA, GB, Indien, 2007. FSK: ab 12 Jahren. 1 DVD, Paramount. Länge: ca. 103 Minuten. Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch. Extras: Making-of. Preis: ca. € 18,-.

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | Es liegt noch keine Bewertung vor.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Film

Taxi

2. August 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Alex Herwig weiß nach einer abgebrochenen Lehre als Versicherungskauffrau nicht so recht, was sie mit sich anfangen soll. Doch da sie Geld verdienen muss, macht sie einen Taxi-Führerschein und beginnt in Hamburg mit dem Taxifahren. Leider hat sie ein schlechtes Gedächtnis und kann sich die vielen Straßennamen nur schlecht merken. Dennoch hat sie sich bald eingearbeitet und wird in den Kreis ihrer Kollegen aufgenommen. Darunter befinden sich auch Dietrich, Rüdiger und »Taximörder«, der seinen Spitznamen bekommen hat, weil er einmal einen Selbstmörder zum Ort der Tat gefahren hat. Zu Dietrich, einem Taxi fahrenden Künstler, entwickelt sich so etwas wie eine Beziehung, wenn Alex auch immer wieder betont, dass sie sich »eigentlich« nicht binden will. Deshalb sind da auch noch Marco, den Alex schon aus der Schule kennt, und Jens Majewski, ein Journalist, der im selben Haus wohnt wie sie.

Neben diesen verwickelten Liebesgeschichten bekommen wir auch zahlreiche Anekdoten aus dem Leben der Taxifahrerin erzählt: Von aufsässigen Jugendlichen, Betrunkenen, die nicht zahlen können, älteren Damen, die auch bei Höchstgeschwindigkeiten nicht mit der Wimper zucken, Konzertbesuchern, die »nur mal eben« ein Taxi reservieren wollen, und nicht zuletzt dem Hamburger Maler Horst Janssen, der für eine kurze Taxifahrt gleich einen ganzen Tagesverdienst bezahlt.

Karen Duve, die 1999 mit ihrem »Regenroman« einen ersten Publikumserfolg hatte, stellt mit »Taxi« einmal mehr ihr großes erzählerisches Talent unter Beweis. Sie hat in diesem intelligenten und unterhaltsamen Buch ihre eigenen Erfahrungen als Taxifahrerin verarbeitet.

Karen Duve: Taxi. Frankfurt/M.: Eichborn, 2008. ISBN: 978-3-8218-0953-3. Preis: € 19,95.

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | Es liegt noch keine Bewertung vor.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch