Archiv für Oktober 2008


Licht im August

25. Oktober 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

William Faulkner (1897-1962) bildet mit Ernest Hemingway und John Steinbeck ein Trio bedeutender US-amerikanischer Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; alle drei wurden mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Von diesen dreien stammt nur William Faulkner aus den US-amerikanischen Südstaaten (er wurde in Mississippi geboren), und er hat seiner Heimat in seinem Werk ein Denkmal gesetzt. Die meisten seiner Geschichten spielen in dem von ihm erfundenen Yoknapatawpha County, eine Region, die in Deutschland etwa einem Landkreis entsprechen würde.

Einer der zahlreichen dort spielenden Romane ist das im Jahr 1932 erschienene Buch »Licht im August«. Faulkner erzählt darin parallel das Schicksal zahlreicher Personen, deren Wege sich alle in Jefferson, der Hauptstadt Yoknapatawpha Countys, kreuzen: Da ist zum Beispiel Lena Grove, die zu Fuß einen weiten Weg zurückgelegt hat, um den Vater ihres ungeborenen Kindes zu finden. Und da ist Joe Christmas, von dem keiner recht weiß, woher er stammt, und der in Jefferson einen schwunghaften, illegalen Handel mit Alkohol betreibt. Er lebt auf dem Grundstück Joanna Burdens, der letzten Tochter einer einst mächtigen Familie, die gegen die Sklaverei gekämpft hat. Nicht zu vergessen den ehrenwerten Reverend Hightower, der von seiner Gemeinde geschnitten wird, weil seine Frau eines unmoralischen Lebenswandels überführt wurde. Aus diesen und vielen weiteren Lebensgeschichten webt Faulkner ein dichtes Bild einander überschneidender Schicksale.

Der Rowohlt Verlag hat im 100. Jahr seines Bestehens diesen großen amerikanischen Roman neu übersetzen lassen.

William Faulkner: Licht im August. Deutsch v. Helmut Frielinghaus u. Susanne Höbel. Reinbek: Rowohlt, 2008. ISBN: 978-3-498-02068-2. Preis: € 19,90.

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Barlach in Güstrow

18. Oktober 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Am 24. Oktober jährt sich der Todestag des Bildhauers und Schriftstellers Ernst Barlachs zum 70. Mal. Seit 1910 lebte Ernst Barlach in dem kleinen Städtchen Güstrow in Mecklenburg. Barlach war zu dieser Zeit schon ein in ganz Europa bekannter Bildhauer, und er entschied sich bewusst dafür, sich in der norddeutschen Provinz niederzulassen, denn in der unruhigen Großstadt Berlin fand er nicht die nötige Ruhe für seine Arbeiten. In Güstrow lebte und arbeitete Barlach bis zu seinem Lebensende 1938. Zum Dank für die gastliche Aufnahme hat er der Stadt Güstrow eine seiner berühmtesten Plastiken geschenkt, den Schwebenden Engel im Güstrower Dom, der an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gemahnt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 sah sich Barlach einem kontinuierlich wachsenden Druck ausgesetzt: Seine Ausstellungen wurden behindert und schließlich verboten, ein Bildband beschlagnahmt, seine Kunstwerke aus den öffentlichen Sammlungen entfernt, als entartete Kunst gebrandmarkt und ins Ausland verkauft. Seine zahlreichen Mahnmale wurden abgebaut und eingelagert, im schlimmsten Fall sogar eingeschmolzen. Im August 1937 spitzte sich die Lage zu, als Unbekannte aus dem Güstrower Dom den Schwebenden Engel entfernten.

Franz Fühmann (1922-1984), Erzähler, Lyriker, Essayist, Kinder- und Jugendbuchautor, hat in »Barlach in Güstrow« die Ereignisse des Jahres 1937 nacherzählt. Eindringlich schildert er die bedrängte Lage des 67-jährigen Künstlers, der sich durch die Verleumdungen und Aktionen der Nationalsozialisten in seiner Existenz bedroht sieht, seine Heimat, sein Haus und seine Arbeit aber nicht verlassen kann und will.

Franz Fühmann: Barlach in Güstrow. Reclam Bibliothek 487. ISBN: 978-3-379-00277-6. Preis: € 7,60.

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Ein Kinderspiel

11. Oktober 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Birgit Vanderbeke (geb. 1956) ist eine der wenigen Autorinnen, deren Bücher sich sowohl auf den Bestsellerlisten finden lassen als auch ungeteiltes Lob von Kollegen und Kritikern genießen. Mit ihrer ersten Erzählung »Das Muschelessen« hat sie 1990 gleich den renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewonnen. Mittlerweile sind insgesamt elf erzählende Bücher von ihr erschienen, aber auch eine »Gebrauchsanweisung für Südfrankreich« und ein kleines Kochbuch. Alle diese Bücher zeichnen sich durch eine schlichte, aber nur auf den ersten Blick anspruchslose Sprache aus. Seit inzwischen fünfzehn Jahren lebt Birgit Vanderbeke in ihrer Wahlheimat Südfrankreich.

»Ich sehe was, was du nicht siehst« erschien 1999 und erzählt in Ich-Form die Geschichte einer jungen Mutter, die mit ihrem Sohn von Berlin aus nach Frankreich übersiedelt. Die junge Frau ist Kunsthistorikerin und schreibt für die Kinderstunde im Rundfunk kurze Portraits berühmter Maler. Der Vater ihres Sohns ist viel unterwegs, da er ein international gesuchter Experte für Kunstfälschungen ist. Und weil sich die Erzählerin in Berlin einsam und unwohl fühlt, beschließt sie aus Deutschland wegzugehen. Das Buch beschreibt im Wesentlichen die Eindrücke, die sich aus diesem Wechsel zwischen den Kulturen ergeben und spielt dabei immer wieder das Grundthema durch, das bereits durch den Titel bezeichnet wird: Wie sich die Wahrnehmungen der Menschen voneinander unterscheiden und mit der Zeit und den wechselnden Lebensumständen wandeln. Und wie wir auf einmal etwas sehen, das wir zuvor zu sehen nicht in der Lage waren …

Birgit Vanderbeke: Ich sehe was, was du nicht siehst. Fischer Taschebuch 15001. ISBN: 978-3-596-15001-4. Preis: € 7,90.

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Speer und er

4. Oktober 2008, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Albert Speer muss als eine der zwielichtigsten Personen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts angesehen werden. Als einer der Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg angeklagt und zu 20 Jahren Haft verurteilt, ist es ihm nach dem Krieg erfolgreich gelungen, jede Mitwisserschaft am nationalsozialistischen Völkermord an den Juden abzustreiten. Er wurde nach seiner Haftentlassung im Jahre 1966 durch die Veröffentlichung seiner Autobiografie und der sogenannten Spandauer Tagebücher, die seine Erlebnisse und Gedanken während der Haftzeit dokumentieren, zu einem erfolgreichen Autor und gefragten Interview-Partner.

Erst nach seinem Tod 1981 hat sich das Bild Albert Speers deutlich gewandelt: Neuere Forschungen konnten nachweisen, dass Speer die Vertreibung jüdischer Mitbürger aus Berlin aktiv betrieben hat, dass ihm Umfang und Zweck des Vernichtungslager Auschwitz sehr wohl bekannt gewesen sein mussten und dass ihm die Pläne der nationalsozialistischen Führung zur Vernichtung der Juden in Europa vertraut gewesen sind.

Heinrich Breloer hat für die ARD in einem beeindruckenden dreiteiligen Doku-Drama (insgesamt 270 Minuten) die Karriere Speers vom jungen Architekten, der in Hitlers Umfeld Karriere machen will, über seine Position als Reichsminister und den Nürnberger Prozess bis hin zu der 20 Jahre umfassenden Spandauer Gefangenschaft wahrhaftig und minutiös dargestellt.

Die inzwischen vorliegende DVD-Ausgabe ergänzt die drei Teile des Fernsehfilms durch umfangreiche Dokumentationen und Interviews sowie zusätzliche Szenen. Dieses DVD-Paket liefert Geschichtsstunden im besten Sinne.

»Speer und er«. BDR, 2005. 3 DVDs, Eurovideo. Länge: insg. ca. 508 Minuten. Preis: ca. € 15,-.

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