31. Januar 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Am 20. Dezember 1963 wurde das Hauptverfahren im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess eröffnet. Noch vor dem Prozessende am 20. August 1965 informierte der Suhrkamp Verlag in einem Rundschreiben darüber, dass er das den Prozess dokumentierende Theaterstück »Die Ermittlung« von Peter Weiss zu einer »allgemeinen Uraufführung am 19. Oktober« freigebe. So entstand die sogenannte Ringuraufführung an insgesamt 15 Theatern in der BRD (4 Bühnen) und der DDR (11 Bühnen). Eine dieser Aufführungen war eine szenische Lesung der ostdeutschen Akademie der Künste im Saal der DDR-Volkskammer in Berlin. Diese Lesung unter Beteiligung beträchtlicher DDR-Prominenz hat sowohl in der DDR als auch in der BRD große Resonanz erzeugt.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat nun in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv Potsdam und der Akademie der Künste Berlin eine Doppel-DVD herausgebracht: Eine DVD-ROM enthält eine ausführliche Dokumentation (Texte, Hör- und Video-Dokumente) zur Entstehung des Stückes und der szenischen Lesung in der Volkskammer, des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umfelds sowie der Debatten vor und nach den Aufführungen sowohl im Osten als auch im Westen. Eine Video-DVD präsentiert die komplette Lesung in der Volkskammer. Die Qualität des Videos entspricht natürlich nicht heutigen Ansprüchen an eine Fernsehübertragung, ist aber für den dokumentarischen Zweck völlig ausreichend. Die Bundeszentrale für politische Bildung liefert die beiden DVDs zum Preis von nur 6,- € ins Haus.
»Auschwitz auf der Bühne«. Peter Weiss: »Die Ermittlung« in Ost und West. Hg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv Potsdam und der Akademie der Künste Berlin. 2 DVDs.
Schlagwörter: 3. Reich, Auschwitz, Inszenierung, Schuld.

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24. Januar 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Am 19. Januar vor 200 Jahren wurde in Boston einer der großen amerikanischen Schriftsteller geboren: Edgar Allan Poe gilt heute zu Recht als Meister des Grusel- und Horror-Genres. Aber nicht nur auf diesem Gebiet hat er sich unsterblichen Ruhm erworben, er ist auch der Erfinder einer literarischen Figur, die in unzählbaren Variationen in Literatur und Film Karriere gemacht hat: des analytische Detektivs.
In seiner 1841 erschienenen Erzählung »Die Morde in der Rue Morgue« berichtet der Erzähler von einer Begegnung mit einem außergewöhnlichen Mann: C. Auguste Dupin entstammt einer berühmten, aber verarmten Pariser Familie und lebt ein zurückgezogenes Leben. Er ist sehr belesen und zeichnet sich nicht nur durch eine ungewöhnlich feine Beobachtungsgabe aus, sondern auch durch die Fähigkeit, aus winzigen, unscheinbaren Details rasch und sicher Schlüsse zu ziehen. Als Dupin eines Tages in der Zeitung von einem Doppelmord liest, der die Polizei vor ein Rätsel stellt, bewähren sich seine Gaben. Die Morde an zwei Frauen, Mutter und Tochter, waren auf bestialische Weise in einem von innen verschlossenen Zimmer begangen worden. Auf den ersten Blick scheint es dem Mörder unmöglich gewesen zu sein, nach der Tat aus dem Zimmer zu entkommen, und dennoch fehlt von ihm jede Spur. An diesem Rätsel stellt Dupin nun seinen außergewöhnlichen analytischen Verstand unter Beweis. Allein aufgrund der Lektüre einiger Zeitungsmeldungen und einer Besichtigung des Tatorts ist er in der Lage, den Täter zu ermitteln. C. Auguste Dupin und sein englischer Nachfolger Sherlock Holmes sind die Urväter aller Detektive des 20. und 21. Jahrhunderts.
Edgar Allan Poe: Detektivgeschichten. dtv 13725. ISBN: 978-3-423-13725-6.
Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Detektiv, Klassiker, Krimi.

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17. Januar 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Michael Clayton (George Clooney) ist ein Anwalt, der für eine große Kanzlei den Ausputzer macht: Gleichgültig wo eine Krise ausbricht, Michael ist der Mann für alle Fälle. Er kann jede Situation schnell und juristisch korrekt einschätzen, weiß was zu tun ist, hat Verbindungen zu Gott und der Welt und kennt die nötigen Telefonnummern. Allerdings könnte er gerade selbst etwas Hilfe gebrauchen: Das Restaurant, das er zusammen mit seinem Bruder betrieben hat, ist Pleite und Michael steckt bis über beide Ohren in Schulden. Außerdem ist gerade ein Kollege von ihm, Arthur Edens (Tom Wilkinson), mit dem er seit langem befreundet ist, bei einer Anhörung übergeschnappt und ins Gefängnis eingeliefert worden. Und nebenbei will sich Michael auch noch um seinen Sohn (Austin Williams) aus seiner geschiedenen Ehe kümmern.
Als Michael Arthur aus dem Gefängnis holt, stellt sich heraus, dass der seit einiger Zeit seine Medikamente nicht mehr nimmt und deshalb psychisch labil ist. Anlass ist der Fall, an dem er seit Jahren arbeitet: Der Chemie-Riese U/North hat ein krebserregendes Herbizid vertrieben und sieht sich einer millionenschweren Sammelklage gegenüber. Arthur, der U/North verteidigt, hat nun Unterlagen in die Hand bekommen, die die Schuld seines Klienten beweisen. Dies hat ihn in einen tiefen Gewissenskonflikt gestürzt, was seine psychische Krise ausgelöst hat.
Während Michael mit allen Mitteln versucht, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen, arbeitet die Justitiarin von U/North (Tilda Swinton) daran, Arthur für immer zum Schweigen zu bringen …
»Michael Clayton«. USA, 2001. DVD, Constantin Film. Sprachen: Deutsch, Englisch. Extras: Kommentar des Regisseurs; Deleted Scenes; Making-of. Länge: ca. 115 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 10,-.
Schlagwörter: Moral, Rechtsanwalt, Spielsucht.

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10. Januar 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Wir leben in einer sich ständig und immer schneller verändernden Welt. Das liegt nicht nur daran, dass ständig neue Erfindungen gemacht und neue Produkte auf den Markt geworfen werden, sondern auch daran, dass sich das wissenschaftliche Bild unserer Welt ununterbrochen fortentwickelt und wandelt. Wie vieles, von dem, was wir mühsam in der Schule gelernt haben, ist inzwischen längst veraltet und überholt? Und wer hat schon Zeit sich aus den unterschiedlichsten Quellen auf dem Laufenden zu halten?
Aber es ist schön, dass es einem nicht allein so geht: Dem US-amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Bill Bryson, der als Verfasser von Reisebüchern bekannt geworden ist, wurde eines Tages bewusst, dass sein wissenschaftliches Weltbild bestenfalls als lückenhaft zu bezeichnen sei. Und so machte er sich auf, das zu ändern: Er las alle erreichbaren populärwissenschaftlichen Bücher, machte sich auf, um Wissenschaftler, Forscher und Entdecker in allen Teilen der Welt zu besuchen und zu befragen und schrieb schließlich »Eine kurze Geschichte von fast allem«. Diese mehr als 600 Seiten starke Darstellung des aktuellen naturwissenschaftlichen Weltbilds – Schwerpunkte liegen auf der Astronomie, Geologie, Biologie und Physik – ist von einem Laien für Laien geschrieben und das lesbarste und umfassendste allgemeinbildende Buch, das ich seit vielen Jahren in die Hände bekommen habe. Was es so faszinierend macht, ist, dass nicht nur erzählt wird, was alles wir schon wissen, sondern gleichrangig daneben auch, was alles wir noch nicht wissen, und wie eine beantwortete Frage gleich dutzendweise neue, unbeantwortete hervorbringt. Ein hoch spannendes Lesebuch!
Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem. Goldmann Taschenbuch 46071. ISBN: 978-3-442-46071-7. Preis: € 9,95.
Schlagwörter: Allgemeinbildung, Naturwissenschaft.

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3. Januar 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Vor 50 Jahren, am 21. Dezember 1958, starb in Los Angeles, im amerikanischen Exil, der deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger. Zu seinen Lebzeiten gehörte er zu den meistgelesenen deutschen Schriftstellern sowohl in den USA als auch in Russland. Als Jude war er Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und lebte von 1932 an im Ausland, nach abenteuerlicher Flucht aus Europa ab 1941 in den USA. Neben einigen bedeutenden Zeitromanen lag sein schriftstellerisches Hauptgewicht auf den historischen Romanen.
»Die Jüdin von Toledo« (1955) handelt zur Zeit des Hochmittelalters im zum Teil moslemisch besetzten Spanien. Im Zentrum steht die legendenhafte Affäre des kastilischen Königs Alfonso VIII. mit einer Jüdin, im Volksmund »La Fermosa«, die Schöne, genannt. Dieses Thema ist bereits seit dem 16. Jahrhundert in Balladen, Theaterstücken und Erzählungen ausgiebig behandelt worden. Das Verdienst von Feuchtwangers Bearbeitung des Stoffes ist es, die tragische Liebesgeschichte in einen konkreten historischen Rahmen einzustellen. Sein Alfons VIII. verliebt sich in die Tochter seines jüdischen Ministers und Finanzberaters Jehuda Ibn Esra. Der willigt in diese Affäre ein, weil er glaubt, den König so besser vom verderblichen Kriegshandwerk abhalten zu können. Doch als sich der König in seine Liebe zur Fermosa verliert, wächst die Eifersucht seiner Frau, Eleonora, Tochter des englischen Königs Heinrich II. Sie beginnt nun alle Hebel in Bewegung zu setzten, um ihren Mann in einen erneuten Krieg gegen die Mauren zu stürzen, in der Hoffnung, dass er auf dem Schlachtfeld seine schöne Jüdin vergessen werde.
Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo. Aufbau Taschenbuch 5638. ISBN: 978-3-7466-5638-0. Preis: € 9,95.
Schlagwörter: Antisemitismus, Conquista, Mittelalter, Spanien.

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