Archiv für Februar 2009


Deutsche Geschichte

28. Februar 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Vor gut einem Jahr habe ich an dieser Stelle Herbert Rosendorfer, der diesen Monat seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, als Romanautor vorgestellt. Von Hause aus Jurist hat sich Rosendorfer neben seiner Tätigkeit als Amtsrichter in München immer fleißig der Literatur gewidmet und so mit den Jahren ein umfangreiches erzählerisches Werk geschaffen. Nach seiner Pensionierung aber hat er sich einem großen Sachbuch-Projekt gewidmet: einer »Deutschen Geschichte«, geschrieben von einem Laien für Laien.

Derzeit liegen fünf Bände mit zusammen über 1.300 Seiten vor, die die deutsche Geschichte von ihren Anfängen bis ins 18. Jahrhundert hinein verfolgen. In seiner Darstellung betont Rosendorfer immer wieder, dass es ihm darum geht, die deutsche Geschichte zu »erzählen«, nicht wissenschaftlich aufzubreiten. Selbstverständlich bemüht er sich um die Korrektheit aller Fakten, aber er setzt überall seine eigenen Akzente, besteht auf seiner ganz individuellen Perspektive und bedient sich aller Mittel, seinen Stoff interessant und lebendig zu gestalten.

Dabei thematisiert er nicht nur Geschichte im engeren Sinne, sondern gibt zu jeder Epoche auch einen Überblick über die kulturelle Entwicklung, den Stand von Kunst und Wissenschaften und thematisiert von Anfang an immer auch das Schicksal der »kleinen Leute«, für die Leben in »historischer Zeit« zumeist Not, Elend und Leiden bedeutete.

Herbert Rosendorfers »Deutsche Geschichte« ist sowohl dem Umfang als auch der Lesbarkeit nach ganz einmalig in der deutschsprachigen Bücherlandschaft. Alle Bände liegen inzwischen mit leicht abgewandelter Aufteilung auch als Hörbücher vor.

Herbert Rosendorfer: Deutsche Geschichte. Dtv Taschenbücher, 5. Bde.

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Into the Wild

21. Februar 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Im September 1992 fanden einige Elch-Jäger in Alaska die Leiche eines jungen Mannes, der offensichtlich in der Wildnis verhungert war. Er war im April desselben Jahres in die Wildnis aufgebrochen, um sich seinen Traum vom freien Leben zu erfüllen. Er lebte im Wrack eines alten Busses, ernährte sich in der ersten Zeit von mitgebrachtem Reis, später dann von den Tieren und Pflanzen der Gegend. Es könnte sein, dass er sich dabei unabsichtlich vergiftet hat. Als er starb, war er nur 24 Jahre alt.

Als dem Schriftsteller und Bergsteiger Jon Krakauer diese Geschichte zu Ohren kam, beschloss er, ihr nachzugehen. Er fand heraus, dass der Tote, Christopher McCandless, aus Virginia stammte. Er hatte mit großem Erfolg sein Studium beendet, als er kurz nach der Abschlussfeier ohne irgendeine Nachricht an seine Familie verschwand. Christopher brach zu einer Reise ins Ungewisse auf. Oft hatte er nur wenig oder gar kein Geld, dann und wann nahm er eine Arbeit an; so war er etwa eine Zeit lang Erntehelfer in South Dakota. Er fuhr in einem Kanu den Colorado hinunter bis zum Golf von Mexiko, aber all das war für ihn immer nur eine Vorbereitung für sein eigentliches großes Abenteuer: Das Leben in Alaska, ganz auf sich selbst gestellt.

Jon Krakauer schrieb schließlich ein Buch über die Reise Christopher McCandless’, das dem Schauspieler und Regisseur Sean Penn als Grundlage für einen beeindruckenden Spielfilm gedient hat. Mit dem jungen Schauspieler Emile Hirsch in der Hauptrolle entstand aus dieser wahren Begebenheit ein beeindruckendes und bewegendes Roadmovie.

»Into the Wild«. USA, 2007. DVD, Tobis. Sprachen: Deutsch, Englisch. Extras: Making-of; Interviews; Trailer. Länge: ca. 142 Minuten. FSK: ab 12 Jahren.

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Holzfällen

14. Februar 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Am 12. Februar vor 20 Jahren ist einer der einflussreichsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts im Alter von nur 58 Jahren verstorben: Thomas Bernhard. Berühmt (und berüchtigt) ist er als Theaterautor geworden, der besonders in seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur und Chef des Wiener Burgtheaters Claus Peymann für manch außergewöhnlichen Theaterabend, aber auch für den einen oder anderen Skandal verantwortlich war. In seinem Testament verbot er schließlich die Aufführung seiner Stücke in Österreich, ein Verbot, das inzwischen von seinem Universalerben aufgehoben worden ist.

Wirklich einflussreich war Bernhard jedoch als Erzähler: Ohne dass sich von einer Bernhard-Schule sprechen ließe, kann man doch feststellen, dass eine bedeutende Anzahl junger Schriftsteller an Bernhards Prosa viel gelernt haben. Einige haben später zu einem eigenen Ton gefunden, andere sind im Epigonentum untergegangen.

Eine der bekanntesten Erzählungen Bernhards dürfte »Holzfällen« sein, das 1984 mit dem Untertitel »Eine Erregung« erschienen ist. Das Buch, das aus einem langen Monolog des Ich-Erzählers besteht, der eine kulturelle Abendgesellschaft bei einem Komponisten-Ehepaar durchleidet, sich aber erst spät entschließen kann zu gehen, hat bei seinem Erscheinen einen erheblichen Aufruhr ausgelöst, denn der mit Bernhard bekannte österreichische Komponist Gerhard Lampersberg sah sich und seine Frau in dem Buch boshaft karikiert. Zu dem drohenden Verbot des Buches ist es dann zum Glück nicht gekommen, und so ist uns Lesern diese herrliche, raunzende Erregung eines wirklichen Individualisten erhalten geblieben.

Thomas Bernhard: Holzfällen. Suhrkamp Taschenbuch 1523. ISBN: 978-3-518-38023-9.

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Lauter Lyrik

7. Februar 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle eine neue Lyrik-Anthologie des Reclam Verlages vorgestellt. Heute möchte ich dies um den Hinweis auf ein Hörbuch ergänzen, das die derzeit umfangreichste Sammlung vorgelesener Lyrik enthält.

Grundlage bildet eine vor mehr als 30 Jahren zum ersten Mal erschienene umfangreiche Lyriksammlung des Kölner Germanisten Karl Otto Conrady, die in der aktuellen Ausgabe einfach »Der große Conrady« heißt. Aus dieser Sammlung hat Conrady noch einmal beinahe 1100 Gedichte ausgewählt, die von 14 Schauspielern und professionellen Sprechern zwischen August und Dezember 2007 eingelesen wurden. Diese Auswahl ist chronologisch angeordnet und reicht vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert (das letzte Gedicht stammt aus dem Jahr 2007), umfasst also alle Epochen deutscher Gedichte und präsentiert alle bedeutenden Lyriker zumindest mit jeweils einem Beispiel. Natürlich sind auch zahlreiche Autoren mit einer ganzen Reihe ihrer Werke vertreten, und der Anteil moderner Lyrik aller Richtungen ist erheblich.

All dies wurde auf 21 CDs gepresst, wobei die 21. einige der Lieblingsgedichte des Herausgebers, von ihm selbst gelesen, bringt. Auch an die Freunde neuer Technik wurde gedacht: Zusätzlich finden sich zwei mp3-CDs mit allen Gedichten. Ein Begleitheft enthält die Lebensdaten aller Autoren und ein Register der Überschriften und Gedichtanfänge.

Parallel sind die eingespielten Texte quasi als Partitur zum Hörgenuss auch im Druck erschienen. Das Buch ist unter dem Titel »Lauter Lyrik. Der kleine Conrady« für 22,– € im Buchhandel zu erwerben.

»Lauter Lyrik. Der Hör-Conrady«. Ein Gemeinschaftsprojekt der ARD und des Patmos Verlags. Düsseldorf: Patmos Verlag, 2008. 21 CDs u. 2 mp3-CDs, etwa 25 Stunden Gesamtspielzeit.

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