Archiv für April 2009


König der Fischer

26. April 2009, 23:24 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Jack Lucas (gespielt von Jeff Bridges)  ist Radio-Moderator mit Kultcharakter, der mit lockeren Sprüchen die Probleme der Menschen, die nachts in seiner Sendung anrufen, kommentiert und die Zuhörer unterhält. Doch diesmal ist etwas schief gelaufen: Mit zynischen Bemerkungen hat er einen Amoklauf provoziert. Jack verliert seinen Job beim Sender und begegnet ausgerechnet einem der Opfer.

Parry (Robin Williams) ist ein Penner, er verlor bei der Tragödie seine Frau und wurde verrückt.  Doch jetzt sucht er den Heilgen Gral in Manhattan und hat fantastische Erscheinungen, die ihn jedes Mal niederwerfen.

Jack fühlt sich schuldig und verpflichtet, Parry zu helfen. Er taucht ein in dei fantastische Welt von Parry, der eine unscheinbare, junge Frau namens Lydia liebt. Er verfolgt sie täglich, kennt ihre Gewohnheiten, weiß was sie isst und wie sie lebt.  Jack hilft Parry, Lydia kennenzulernen. Es gibt eine grandiose Szene im  Film, die in einer Bahnhofshalle gedreht wurde : Fast unmerklich werden die zu den Zügen hastenden Menschen zu Paaren, die sich im Walzerschritt drehen. Nur Parry und Lydia tanzen nicht. Wie miteinander verbundene Marionetten eilen sie durch die Tanzenden: Lydia vorne und Parry hinterher. Jack hilft Parry, sein traumatisches Erlebnis zu überwinden und sucht, als Parry nach eine Schlägerei im Koma liegt, den Heilgen Gral.

Der Film hat wunderschöne Szenen. Er ist gleichzeitig lustig und ernst, handelt von Freundschaft und Liebe und davon, wie man in dieser Welt stranden und wieder aufstehen kann.

Er ist hervorragend gespielt, ästhetisch sehr reizvoll und in der Auseinandersetzung mit den menschlichen Grundfragen von Schuld, Verantwortung und Erlösung  sehr sehenswert. Der Film ist freigegeben ab 16 Jahren. Die Regie führte Terry Gilliam.

König der Fischer =  THE FISHER KING / Terry Gilliam (Regie) – DVD/Video. – USA, 1991. – 138 Minuten. – FSK: ab 16. – in Farbe – Prädikat: besonders wertvoll

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Herz der Finsternis

25. April 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

»Herz der Finsternis« dürfte Joseph Conrads (1857-1924) bekannteste und meistübersetze Erzählung überhaupt sein. Conrad war gebürtiger Pole und hatte, als er Mitte der 1890er-Jahre zu schreiben begann, eine abenteuerliche Karriere vom Matrosen zum Kapitän hinter sich gebracht, aus der er den Stoff für zahlreiche seiner Erzählungen bezog.

In »Herz der Finsternis«, einer Erzählung von immerhin rund 130 Seiten, berichtet Charles Marlow, eine Erzählerfigur, die immer wieder in Conrads Werk auftaucht, von einem seiner frühen Abenteuer. Auf der Suche nach Arbeit nimmt er durch Vermittlung einer Tante einen Job bei einer belgischen Firma an: Er soll in den Kongo – damals eine belgische Kolonie – reisen, mit einem Dampfboot den Kongo hochfahren, um von dort Elfenbein und, falls das möglich ist, einen Elfenbeinhändler, Kurtz mit Namen, zurückbringen. Am Unterlauf des Kongo eingetroffen, muss Marlow feststellen, dass das versprochene Dampfboot einem Wrack gleicht und ausgiebiger Reparaturen bedarf. Diese ziehen sich ungewöhnlich in die Länge, und als Marlow endlich aufbrechen kann, erweist sich die Fahrt auf dem Kongo als gefährliche Reise ins Unbekannte.

Endlich bei der Station der Elfenbeinhändler angekommen, findet er Kurtz todkrank vor. Dennoch scheint Kurtz von den Eingeborenen als eine Art von König, wenn nicht gar Gott angesehen zu werden. Marlow nimmt den siechen Kurtz an Bord und beginnt die Rückreise, auf der der Sterbende versucht, Marlow seine umwälzenden Erfahrungen im Herzen der Finsternis zu vermitteln …

Joseph Conrad: Herz der Finsternis / Jugend / Das Ende vom Lied. Aus dem Englischen von Manfred Allié. Fischer Taschebuch 90163. ISBN: 978-3-596-90163-0. Preis: € 9,50.

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Das steinerne Herz

18. April 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Im Jahr 1954 mietet sich in  dem kleinen Städtchen Ahlden in der Lüneburger Heide ein Fremder beim Ehepaar Thumann ein: Walter Eggers, ein Hobby-Historiker, der hauptsächlich an der Geschichte des Königreichs Hannover interessiert ist. Seine Wahl, sich bei den Thumanns einzumieten, erweist sich als nicht ganz zufällig. Frieda Thumann ist die Enkelin des hannöverschen Statistikers Jansen, dessen Jahrbücher Eggers für seine geplante Personalkartei des Königreichs Hannover benötigt.

Karl Thumann ist von Beruf Lastwagenfahrer, den seine Touren regelmäßig durch die DDR nach Berlin und zurück führen. Er hat dort eine Geliebte, Line Hübner, die in Ost-Berlin in einer Gartenlaube lebt. Zum Ausgleich hält sich Frieda schon bald an ihrem neuen Untermieter schadlos, dem sie seine Liebesdienste mit den von ihm begehrte Jahrbüchern entlohnt.

Walter Eggers nutzt die Gelegenheit, mit Karl nach Berlin zu fahren. Er hat vor, in der Berliner Staatsbibliothek ein Buch zu stehlen, bzw. es gegen eine andere Auflage desselben Buches auszutauschen. Nach Ahlden zurückgekehrt, will er  sich nach einiger Zeit heimlich aus dem Staub machen, als eine überraschende Entdeckung all seine Pläne über den Haufen wirft …

Arno Schmidt hat mit seinem »historischen Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi« ein überraschend genaues und detailreiches Bild der beiden deutschen Staaten der 50er-Jahre geliefert. Besonders aufgrund seiner kritischen Haltung dem Adenauer-Staat gegenüber wurde der Roman 1956 nur in einer politisch entschärften Fassung gedruckt. Erst 30 Jahre später erschien  erstmals die ungekürzte Fassung des Textes.

Arno Schmidt: Das steinerne Herz. München: Süddeutsche Zeitung, 2008. ISBN: 978-3-86615-548-0. Preis: € 5,90.

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Jahre der Freundschaft von Margaret Pemberton

17. April 2009, 12:12 Uhr | Autor: Waltraud Meuter

Primmie Dove erbt ein Landhaus in Cornwall und als sie es bezieht, werden Erinnerungen an ihre drei Jugendfreundinnen wach, mit denen sie während der Schulzeit als eingeschworene Clique alle möglichen Lebenskrisen durchlebte. Die vier Frauen stammen aus unterschiedlichen Milieus. Die stille, bürgerliche Primmie, die vornehme Geraldine aus einer reichen Familie, Artemis mit neureichen Eltern, und der Paradiesvogel Kiki, die sich jenseits aller Konventionen bewegte und tat, was ihr gefiel.

Eine Krise nach der anderen ereignet sich:

Kikis Mutter trennt sich eines Tages von ihrer Familie und entschwindet mit einer lesbischen Landschaftsgärnerin. Primmie verliebt sich später in Kikis Vater und bekommt ein Kind vom ihm, ohne dass er es weiß, da Kiki gegen die Verbindung der beiden interveniert.

Artemis adoptiert das Kind, da ihr adeliger Ehemann keine Kinder zeugen kann. Geraldine liebt ihren Cousin Francis, der ihr jedoch Tag der Hochzeit von Kiki abspenstig gemacht wird. Ihre Wege trennen sich.

Als reife Frauen treffen sie sich eines Tages in Primmies Haus wieder und finden langsam zu ihrer alten freundschaftlichen Gemeinschaft zurück.

Die Schilderung der unterschiedlichen Charaktere ist klischeehaft, trägt jedoch sehr zur Leseunterhaltug bei.

Eine abwechslungsreiche Lektüre für den Urlaub.

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W.

11. April 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Oliver Stone hat seinen dritten Film über einen amerikanischen Präsidenten gedreht. 1991 beschäftigte er sich in »JFK« mit der Aufarbeitung der Widersprüche, die die offizielle Version der Ermordung John F. Kennedys enthielt und legte zugleich eine Verschwörung von Ex-Kubanern, der Mafia oder gar der Geheimdienste oder des Militärs nahe. Nur vier Jahre später kam mit »Nixon« sein mehr als dreistündiges, dunkles und in Europa bis heute wenig beachtetes Porträt des 37. US-Präsidenten in die Kinos. Und im vergangenen Jahr erschien, noch während seiner Amtszeit, mit »W.« sein Film über George W. Bush.

Stone verfolgt in diesem Film das Leben und die Karriere George W. Bushs (Josh Brolin) von seiner Universitätszeit bis zum sogenannten Ende des Irakkrieges. Dabei bildet die Zeit des Irakkrieges den erzählerischen Rahmen, in den durch Rückblenden die früheren Lebensstationen Bushs hereingeholt werden. Niemand, der Stones Filme kennt, wird ein positives Bild Bushs erwarten. Im Zentrum stehen denn auch eher dessen private, geschäftliche und politische Misserfolge sowie sein lange Zeit gespanntes Verhältnis zum Vater. Das Porträt ist dabei sicherlich nicht unaufrichtig, es ist nur ein wenig einseitig geraten, was einem aber den Spaß an diesem satirischen Kabinettstück nicht verderben sollte.

Der Film ist mit hervorragenden Schauspielern besetzt: Elizabeth Banks als Laura Bush, James Cromwell als Vater Bush, Richard Dreyfuss grandios in der Rolle Dick Cheneys, Jeffrey Wright als Colin Powell und nicht zuletzt eine unglaublich verklemmt wirkende Thandie Newton als Condoleezza Rice.

»W.«. USA, 2008. DVD, Planet Media. Sprachen: Deutsch, Englisch. Extras: Interviews mit Cast und Crew; Biografien; Trailer. Länge: ca. 124 Minuten. FSK: ab 12 Jahren.

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