Archiv für Juni 2009


Im Tal von Elah

27. Juni 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Das Tal von Elah ist jenes Tal, auf dessen Höhen sich in biblischer Zeit Israeliten und Philister gegenüberstanden. Täglich ging Goliath, der stärkste Krieger der Philister, hinunter in das Tal und forderte einen der Israeliten zum Zweikampf heraus. Aber keiner wagte, gegen ihn anzutreten, bis eines Tages der Hirtenjunge David ins Lager der Israeliten kam, um seinen Brüdern Proviant zu bringen …

Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) ist ein pensionierter Soldat, der früher bei der Militärpolizei tätig war. Er erhält eines Morgens einen Anruf, dass sein Sohn Mike, von dem er annimmt, er sei noch im Iran, von seiner Basis in New Mexiko vermisst wird. Hank macht sich noch am selben Tag auf, um seinen Sohn zu suchen. Da ihm die Militärpolizei des Stützpunktes nicht weiterhilft, wendet er sich an die örtliche Polizei um Hilfe. Dort trifft er auf Emily Sanders (Charlize Theron), die ihn zuerst auch abwimmeln will. Doch dann wird die Leiche Mikes in der Nähe der Basis gefunden; er ist offensichtlich Opfer eines Mordes geworden. Das Militär reklamiert zwar seine Zuständigkeit, aber Hank kann durch eine sorgfältige Untersuchung des Tatortes nachweisen, dass der Mord im Zuständigkeitsbereich der städtischen Polizei geschehen ist. Damit beginnt ein Tauziehen um die Aufklärung des Falles zwischen Hank und Emily einerseits und dem Militär andererseits, das den Fall um jeden Preis vertuschen will. Wird sich auch diesmal David gegen Goliath durchsetzen?

Regisseur Paul Haggis (L. A. Crash) hat mit »Im Tal von Elah« einen Film abgeliefert, der die Zuschauer angesichts der Banalität des Bösen sprachlos zurücklässt.

»Im Tal von Elah«. USA, 2007. 1 DVD, Concorde. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: ca. 116 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 10,–.

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Happy-Go-Lucky

20. Juni 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Poppy (Sally Hawkins), die eigentlich Pauline heißt, ist 30 Jahre alt und arbeitet als Grundschullehrerin im Norden Londons. Sie zeichnet sich durch eine nicht zu zerrüttende gute Laune aus: Nichts bringt sie wirklich aus der Fassung, allem gewinnt sie eine gute Seite ab.

So auch, als ihr eines Tages ihr Fahrrad gestohlen wird. Statt sich zu ärgern, ergreift sie die Chance, endlich das Autofahren zu lernen. Auf diese Weise macht sie die Bekanntschaft Scotts (Eddie Marsan), eines selbstständigen Fahrlehrers, der in so ziemlich allem das Gegenteil von Poppy darstellt: Er ist ein verkniffener, eigenbrötlerischer Rechthaber, der zudem noch zu Verschwörungstheorien neigt. Da sich Poppy in ihrer Fröhlichkeit von all dem aber unbeeindruckt zeigt, braucht es nur wenige Fahrstunden, bis sie Scott einerseits an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, er sich andererseits aber in sie verliebt.

Zum Glück für Poppy lernt sie in derselben Zeit auch einen anderen Mann kennen: Nick (Jack MacGeachin) ist ein Sozialarbeiter, der an ihrer Schule arbeitet und dessen ruhige und gelassene Art einen anderen Gegenpol zu Poppys Aufgedrehtheit bildet. Als Scott eines Tages zufällig Nick kennenlernt und begreift, dass er und Poppy ein Paar sind, kommt es zum dramatisch-komischen Höhepunkt des Films.

Regisseur und Autor Mike Leigh hat mit Poppy eine ganz einmalige Figur geschaffen und Sally Hawkins hat für ihre Verkörperung zu Recht den Silbernen Bären der Berlinale 2008 erhalten.

»Happy-Go-Lucky«. Großbritannien, 2008. 1 DVD, Tobis/Universum. Sprachen: Deutsch, Englisch. Extras: Hörfilmfassung für Sehbehinderte, Featurettes, Interviews u.a.m. Länge: ca. 114 Minuten. FSK: ab 6 Jahren. Preis: ca. € 15,–.

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Der Afrikaner

13. Juni 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als Jean-Marie Gustave Le Clézio im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekam, gaben sich selbst für ihre Belesenheit berühmte Kritiker ratlos und skeptisch. Dabei lagen Le Clézios Schriften in bedeutendem Umfang auf Deutsch vor, nur haben sie offenbar nicht die angemessene Beachtung gefunden.

Schon 2007 war zum Beispiel im Hanser Verlag ein schmales Bändchen erschienen, das einen Erinnerungstext Le Clézios an seinen Vater enthielt. Der schlichte Titel »Der Afrikaner« schickt den Leser wenigstens für einen Augenblick in die Irre, denn es erweist sich, dass es sich bei dem Afrikaner eben um Le Clézios Vater handelt, einen Briten, der auf Mauritius geboren und aufgewachsen war und den Großteil seines Lebens als Arzt in Afrika verbracht hat. Er war als junger Mann nach Afrika gegangen, um der als snobistisch empfundenen englischen Gesellschaft zu entfliehen. Dann hatte ihn der Zweite Weltkrieg für viele Jahre von seiner Frau und seinen beiden jungen Söhnen in Europa getrennt.

Als Le Clézio schließlich als Siebenjähriger im Jahre 1948 seinen Vater kennenlernt, findet er in ihm einen autoritären Patriarchen, den zu lieben der Junge nicht fähig ist. Erst als Erwachsener entwickelt er Verständnis und Sympathie für diesen fremden Mann, den das Leben in Afrika verbraucht und für immer gezeichnet hat. Als der Vater schließlich nach Europa zurückkehrt, wechselt er nur von einer Isolation in die andere. Zu sehr ist er inzwischen ein Afrikaner geworden, um sich hier noch einfinden zu können.

Ein bewegendes kleines Büchlein eines Sohns über seinen Vater.

J. M. G. Le Clézio: Der Afrikaner. Aus dem Französischen von Uli Wittmann. München: Hanser, ²2008. ISBN: 978-3-446-20948-0. Preis: € 14,90.

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Was bedeutet das alles?

6. Juni 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Vielen Menschen, die durchaus an der Philosophie ernsthaft interessiert sind, geht es wie dem Schüler in Goethes »Faust«:

An ihrem Hals will ich mit Freuden hangen;
Doch sagt mir nur, wie kann ich hingelangen?

Einführungen in die Philosophie sind oft für Studierende geschrieben und deshalb auf den akademischen Betrieb der Philosophie ausgerichtet, oder sie präsentieren die Philosophie in ihrer historischen Entwicklung, was sie umfangreich macht und einen direkten Zugang zur Sache verstellt.

Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel hat im Gegensatz dazu eine Einführung in die Philosophie geschrieben, die auf nur wenig mehr als 100 Seiten einen weitgehend voraussetzungslosen Zugang zu klassischen Themen und Fragestellungen der Disziplin liefert. Nagels Büchlein beschäftigt sich mit der Frage nach der Erkenntnis, nach dem Bewusstsein anderer Menschen, dem Leib-Seele-Problem, der Bedeutung von Wörtern, der Frage nach Recht, Unrecht und Gerechtigkeit, dem Tod und schließlich auch nach dem Sinn des Lebens. Dabei gelingt es ihm anhand klarer und einfacher Beispiel und in wenigen Worten, wichtige, aktuelle philosophische Positionen zu diesen Fragen präzise zu beschreiben. Das Büchlein will keine Antworten auf die gestellten Fragen liefern, sondern die Art und Weise deutlich machen, wie Philosophen diese Fragen angehen.

Eine gelungene Einführung in die Philosophie, die frei ist von historischem oder akademischem Ballast. Eine Empfehlung für alle, denen bislang ein  Zugang zur Philosophie versperrt geblieben ist.

Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie. Aus dem Englischen übersetzt von Michael Gebauer. Stuttgart: Reclam, 2008. ISBN: 978-3-15-010682-2. Preis: 6,90 €.

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