Archiv für Juli 2009


Mutmassungen über Jakob

25. Juli 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Am 20. Juli 2009 wäre der Schriftsteller Uwe Johnson 75 Jahre alt geworden, wenn er nicht schon gut 25 Jahre zuvor an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben wäre. Sein vierbändiger Roman »Jahretage. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl« ist heute schon ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und einige seiner Bücher haben es sogar bis in den Kanon der Schullektüre geschafft; an prominenter Stelle seine »Mutmassungen über Jakob«, die schon durch das fehlende »ß« im Titel auffallen. Dieser Buchstabe fehlt auch sonst im ganzen Buch, und was die meisten Leser zusätzlich verstört, ist die eigenwillige Zeichensetzung Johnsons.

Die »Mutmassungen« sind ein guter Einstieg in die literarische Welt Uwe Johnsons, denn sie sind eine Art von Vorspiel zu den »Jahrestagen«. Erzählt wird die Geschichte von Jakob Abs, Beamter der Reichsbahn, der im Herbst 1956 im Alter von nur 28 Jahren von einer Lokomotive überfahren wird. Es bleibt unklar, ob es sich dabei um einen Unfall, Selbstmord oder vielleicht sogar um einen politisch motivierten Mord handelt. Jakob ist der Geliebte Gesine Cresspahls, die 1956 bereits in den Westen geflüchtet ist und dort für die NATO arbeitet. Auch seine Mutter lebt in der BRD, während Jakob in der DDR versucht, ein unpolitisches Leben zu führen, was ihm aber nicht gelingen kann. Aufgrund seiner Verbindungen in die BRD steht er unter ständiger Beobachtung der Militärischen Spionageabwehr der DDR, deren Ziel es ist, Gesine als Spionin anzuwerben. Als Jakob zu Gesine in den Westen fährt, kehrt er nach nur wenigen Tagen in die DDR zurück. Noch am selben Abend geht er wie immer quer über die Gleise …

Uwe Johnson: Mutmassungen über Jakob. Suhrkamp Taschenbuch 3128. ISBN: 978-3-518-39628-5. Preis: € 9,50.

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Miss Marple: Die Tote in der Bibliothek

21. Juli 2009, 19:04 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Diese Agatha-Christie-Verfilmung beginnt  so, wie es sich für eine ordentliche Krimiverfilmung gehört.  Mr. und Mrs. Bantry liegen frühmorgens  im Bett und ihr Hausmädchen Mary platzt ins Schlafzimmer und ruft: “Unten in  der Bibliothek liegt eine Leiche!”

Tatsächlich liegt dort eine junge, hübsche aber ziemlich tote Frau in einem schillernden Abendkleid. Wie kam sie in die Bibliothek? Miss Marple (Geraldine McEwan), eine Freundin der Bantrys, soll den Fall aufklären. Man traut ihr mehr zu als der Polizei. Bald ist die Identität der jungen Dame festgestellt und die Spur der Toten führt Miss Marple in ein Hotel, wo die Tote als Aushilfstänzerin arbeitete. Man glaubt, der Mörder sei in diesem semi-mondänen Umfeld zu suchen, doch dann geschieht ein zweiter Mord. Auch hier ist eine junge Frau das Opfer, sie wurde in einem ausgebrannten Auto gefunden. Miss Marple ermittelt, wie immer vornehm, unauffällig und klug. Sie versucht eine Verbindung zwischen den beiden Toten zu finden…

Auch diese Verfilmung einer “Miss Marple”-Geschichte von Agatha Christie, wirkt vornehmlich durch die Hauptdarstellerin. Leider habe ich eine Prägung anderer Art erhalten: An Margaret Rutherford, die dicke, agile Ermittlerin, die mit ihren unorthodoxen Methoden immer wieder überrascht, kommt Geraldine McEwan nicht heran. Der Film ist dennoch sehr sehenswert, diese Miss Marple hat eben ihren eigenen Stil. Die Buchvorlage (erstmalig 1942 erschienen) und das Hörbuch sind ebenfalls empfehlenswert.

“Die Tote in der Bibliothek” / Agatha Christie ; Andy Wilson (Regie). – 94 Min. – GB, 2004. – FSK ab 6 (Miss Marple Collection)

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Jeeves & Wooster

18. Juli 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Berty Wooster und Jeeves gehören zu den beliebtesten Figuren aus den Büchern des englischen Humoristen P. G. Wodehouse (1881–1975). Berty Wooster ist ein etwas eingebildeter junger englischer Snob, im Hauptberuf Gentleman und die meiste Zeit damit beschäftigt, die Pläne seiner Tante Agatha, ihn zu verheiraten, zu torpedieren. Jeeves ist sein Valet, das, was man im Deutschen früher einen Kammerdiener genannt hat. Allerdings darf man sich Jeeves nicht zu dienerhaft vorstellen. Viel besser beschreibt ihn seine eigene Definition seiner Tätigkeit: Er ist ein Gentlemans Gentleman.

Die Geschichten um Jeeves und Wooster sind immer neue Variationen eines einfachen Grundmusters: Berty entwickelt irgendeinen ausgesucht komplizierten Plan, um seiner drohenden Verheiratung zu entgehen, oft, indem er versucht, die ihm zugedachte Gattin einem anderen Bewerber zuzuführen. Der Plan scheitert mit schöner, vorhersehbarer Notwendigkeit, und Berty wird aus einer für ihn höchst peinlichen Situation durch Jeeves Voraussicht oder rasche Auffassungsgabe gerettet.

Die BBC hat Anfang der 90-er Jahre eine 23-teilige Fernsehserie aus den Erzählungen um Jeeves und Berty gedreht. Der Erfolg dieser Serie ist in erster Linie den beiden Hauptdarstellern Hugh Laurie als Berty Wooster und Stephen Fry als Jeeves zu verdanken. Diese beiden, die in England auch als Komikerduo große Erfolge feiern konnten, verkörpern diese beiden sehr englischen Typen in einer so einmaligen Art und Weise, dass man sich bei der späteren Lektüre der Bücher die Figuren kaum anders vorstellen kann. Ein Hochgenuss für alle Freunde englischen Humors.

»Jeeves & Wooster«. UK, 1990–1993. 8 DVDs, KSM. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: insges. ca. 1160 Minuten. FSK: ab 6 Jahren. Preis: ca. € 30,–.

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Geheimagent Marlowe

11. Juli 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Der britische Dramatiker Christopher Marlowe (1564–1593) war einer der Stars des elisabethanischen Theaters. Seine Stücke wie etwa »Das Massaker zu Paris« oder »Der Jude von Malta« waren zu seinen Lebzeiten große Publikumserfolge, und für die deutsche Literaturtradition ist natürlich seine Tragödie »D. Faustus« wichtig, denn in einer Puppenspiel-Bearbeitung des Stückes von Marlowe ist der junge Goethe dem Stoff zum ersten Mal begegnet.

Rätselhaft blieb aber für lange Zeit der frühe Tod Marlowes. Noch heute finden sich Darstellungen, Marlowe sei bei einer Wirtshaus-Schlägerei ums Leben gekommen. Doch 1925 wurde der Bericht des Leichenbeschauers zu Marlowes Tod aufgefunden und publiziert. Nach diesem Bericht war Marlowe bei seinem Tod in Gesellschaft dreier Männer, die alle dem Geheimdienst Elisabeths I. verbunden waren, und wurde angeblich in Notwehr niedergestochen. Es wird seitdem von den Biografen vermutet, dass auch Marlowe selbst als Agent tätig war, und zahlreiche neue Spekulationen um Marlowes Leben und Tod sind hieraus erwachsen.

Dieter Kühn, der in der Hauptsache durch seine zahlreichen Sachbücher bekannt geworden ist, hat mit »Geheimagent Marlowe« einen kleinen Roman geschrieben, der diese Spekulationen auf originelle Weise aufnimmt: In Form einer fiktiven Geheimdienst-Akte erzählt er von der Anwerbung Marlowes für einen Auftrag in Paris, von Marlowes Leben dort, seiner Enttarnung durch den französischen Geheimdienst sowie dem Versuch, ihn zum Doppelagenten zu machen, und schließlich von seiner Rückkehr nach England. Und auch für Marlowes Tod hat sich Kühn eine eigene Deutung einfallen lassen …

Dieter Kühn: Geheimagent Marlowe. Fischer Taschenbücher Bd. 17535. ISBN: 978-3-596-17535-2. Preis: € 9,95.

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“Die Entdeckung der Currywurst” von Ulla Wagner (Regie)

8. Juli 2009, 21:39 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Im Frühjahr 1945 stehen die Aliierten vor Hamburg. Vor einem Kino lernt Lena Brückner, eine gestandene Frau, die in einer Kantine arbeitet, den Marinesoldaten Hermann Bremer kennen. Lena (Barbara Sukowa) ist nicht mehr ganz jung, ihr Mann und ihr Sohn sind an der Front verschollen. Ein Luftangriff führt dazu, dass Lena den Soldaten mit nach Hause nimmt und ihm anbietet, ihn in der Wohnung zu verstecken. Hermann (Alexander Khuon) geht darauf ein, ist damit ein Deserteur und es entwickelt sich eine heftige Liebesbeziehung zwischen den beiden. Lena blüht auf, doch Hermann leidet unter der Geheimhaltung, Isolation und der Angst, entdeckt zu werden.  Vor allem der Blockwart ist misstrauisch. Weiterlesen »

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