Archiv für Oktober 2009


Der Meister und Margarita

31. Oktober 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Habent sua fata libelli – Bücher haben ihre eigenen Schicksale. Dieses Zitat gilt auch für den letzten Roman des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow (1891–1940). Bulgakow war ursprünglich Arzt und durchlebte den Russischen Bürgerkrieg auf wechselnden Seiten. Nach dem Bürgerkrieg etablierte er sich in Moskau als Schriftsteller und Journalist und schrieb zahlreiche erfolgreiche Theaterstücke, Erzählungen, Romane und Reportagen. Bulgakows Status als Autor war immer wieder von politischer Seite gefährdet, seine Werke wurden zeitweise verboten oder beschlagnahmt. 1930 wandte sich Bulgakow sogar direkt an Stalin, um als Autor weiterarbeiten zu können.

Die ersten Ideen zu »Der Meister und Margarita« hatte Bulgakow bereits, als er 1921 nach Moskau kam. Die letzten Seiten diktierte er seiner Frau vom Totenbett aus. Der Roman konnte aber erst 1966 erstmals als Zeitschriftenabdruck erscheinen und wurde über Nacht zu einem der beliebtesten russischen Romane. 1975 erschien dann die deutsche Übersetzung.

Erzählt wird von einem Besuch des Teufels mit seinem kleinen Hofstaat in Moskau, um dort einen Ball zu veranstalten. Seine Ankunft löst in der Hauptstadt der atheistischen Sowjetunion erhebliche Verwirrung aus. Bulgakow zeichnet eine fantastische und chaotische Gegenwelt zum bürokratischen und tristen Alltag der UdSSR. Durchsetzt ist diese Geschichte mit Kapiteln, die die letzten Tage Jesu aus der Sicht von Pontius Pilatus erzählen. Wie diese Kapitel mit der Rahmenerzählung zusammenhängen und wer der Meister und Margarita sind, bleibt lange Zeit ein Geheimnis …

Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita. Deutsch von Thomas Reschke. Sammlung Luchterhand 62063. ISBN: 978-3-630-62093-0. Preis: € 10,00.

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Manhattan

24. Oktober 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Vor 30 Jahren kam Woody Allens Film »Manhattan« in die Kinos. Allen, der seit Anfang der 70-er Jahre bis heute praktisch in jedem Jahr einen Film in die Kinos gebracht hat, war als Regisseur von Slapstick-Komödien bekannt geworden, und auch sein erfolgreichster Film, »Der Stadtneurotiker« (1977), der immerhin vier Oscars gewonnen hat, enthielt noch einige Elemente dieser Vorgänger. Allen ließ diesem Erfolg mit »Innenleben« einen ernsthaften Film über drei Schwestern folgen, die sich ihrer dominanten Mutter erwehren müssen.

Mit »Manhattan« fand Allen dann zu einem neuen Gleichgewicht zwischen Humor und Dramatik: Erzählt wird die Geschichte Isaac Davis’ (Woody Allen), eines Autors, der seinen Lebensunterhalt mit Sketchen fürs Fernsehen verdient. Er ist zweimal geschieden und hat gerade eine Beziehung mit der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway). Da lernt er seines Tages Mary Wilkie (Diane Keaton), die Geliebte seines verheirateten Freundes Yale kennen. Als Yale und Mary sich trennen, verliebt sich Isaac in sie und trennt sich von Tracy, da er in die Beziehung zu ihr nie große Hoffnungen gesetzt hatte. Als sei dies nicht Aufregung genug, muss er sich auch noch mit Ex-Ehefrau Jill (Meryl Streep) auseinandersetzen, die ein Buch über ihre gemeinsame Ehe geschrieben hat, und wirft spontan seinen Job hin, um ein eigenes Buch zu schreiben …

In dieser in Schwarz-Weiß gedrehten Beziehungskomödie ohne Happy End spielen New York und die Musik George Gershwins bedeutende Nebenrollen. Auch nach 30 Jahren hat der Film nichts von seinem Witz und seiner Originalität eingebüßt.

»Manhattan«. USA, 1979. 1 DVD, MGM. Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch. Länge: ca. 96 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 10,–.

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Madame Bovary

17. Oktober 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Mit Gustave Flauberts (1821–1880) Romans »Madame Bovary« beginnt die Geschichte des modernen Romans. Bereits der gekürzte Vorabdruck in der »Revue de Paris« im Jahr 1856 löste einen Literaturskandal aus, als man versuchte, das Buch gerichtlich verbieten zu lassen, da man in ihm einen Verstoß gegen die guten Sitten und die öffentliche Moral sah. Das Gericht folgte zwar den Vorwürfen des Staatsanwaltes nicht und sprach den Autor und den Herausgeber der Zeitschrift frei, aber natürlich sicherte der spektakuläre Prozess der ungekürzten Buchausgabe einen grandiosen Erfolg. Flaubert schrieb dazu am 1. Januar 1857 an seinen Bruder Achille:

Ich werde der Löwe der Woche werden, alle Weibsbilder von Rang reißen sich die Bovary aus den Händen, um Obszönitäten darin zu suchen, die sie nicht enthält.

Tatsächlich ist das Buch für den heutigen Geschmack weniger moralisch anstoßend als in seiner unbarmherzigen Konsequenz erschreckend. Erzählt wird die Ehegeschichte von Charles und Emma Bovary, einem Arztehepaar, das in der Normandie lebt. Emma ist ein junges, in der Welt wenig erfahrenes Mädchen, deren Vorstellungen vom Leben in der Hauptsache aus gefühlvollen Romanen stammen. Doch das Leben mit ihrem braven und provinziellen Ehemann erfüllt keine ihrer Erwartungen, und so lässt sie sich aus Langeweile und Enttäuschung auf verschiedene Affären ein. Auch macht sie aus Gefallsucht gedankenlos immer mehr Schulden, so dass sich ihre Situation schon bald ausweglos zuspitzt …

Ich empfehle, diesen Klassiker in der brillanten Komplettlesung Gert Westphals anzuhören.

Gustave Flaubert: Madame Bovary. Ungekürzte Lesung von Gert Westphal. Berlin: Universal / Deutsche Grammophon, 2005. 11 CDs mit zus. etwa 810 Minuten Laufzeit. Preis: ca. 42,– €.

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“Früchte des Zorns” von John Steinbeck

13. Oktober 2009, 17:06 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Der Roman spielt in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA. In  Oklahoma fegen Staubstürme über das Land: Tausende von Landarbeitern und Pächtern stehen vor dem Nichts. Die Ernten  sind zerstört, ein weiteres Leben auf diesem kargen Land mit seinen nutzlosen Äckern ist nicht vorstellbar, zumal die Traktoren der Besitzer alles dem Boden gleichmachen. Der Osten wird heimatlos, und so trifft die Kunde vom Reichtum Kaliforniens, wo es Arbeit geben soll und wo Orangen und Pfirsiche einfach an den Bäumen hängen, voll ins Schwarze. Der Osten entvölkert sich,  Trecks machen sich auf den Weg, ganze Familien mit LKWs, die Schrottkarren ähneln. Hausrat, Möbel, Bettzeug: Alles wird aufgeladen und die Reise ins Ungewisse geht euphorisch los.

Tom Joad, gerade aus dem Gefängnis entlassen, wo er vier Jahre wegen Totschlags einsaß, kommt heim und findet ein verlassenes und zerstörtes Haus vor.  Er erfährt, dass seine Familie reisefertig bei seinem Onkel John hockt. Sein Bruder Al hat einen klapprigen LKW gekauft, mit dem die Familie bald danach gen Westen aufbricht. Weiterlesen »

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Goethe & Schiller

10. Oktober 2009, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als Goethe 1788 nach Weimar zurückkehrt, findet er dort unter anderem auch den zehn Jahre jüngeren Schiller vor, der in der Weimarer und Jenaer besseren Gesellschaft eine ähnliche Position einnimmt, wie Goethe sie selbst inne hatte als er Ende 1775 nach Weimar kam: Schiller ist ein junges Genie, das sich gerade mit seinen ersten Theater-Erfolgen beim Publikum bekannt gemacht hatte. Goethe dagegen war mit deutlichen Vorbehalten aus Italien zurückgekommen und seine gesellschaftliche Stellung in Weimar ist noch nicht wieder gefestigt: Er hatte die meisten seiner amtlichen Aufgaben nicht wieder aufgenommen, eine Affäre mit einer jungen Frau »aus dem Volke« begonnen und auch sonst den Weimarern Anlass genug für Klatsch und Tratsch geliefert. Und so verläuft die Begegnung 1788 für die beiden Dichtergrößen eher unharmonisch.

Erst 1794 hat sich die Lage für beide deutlich geändert: Schiller hat gerade mit dem schwäbischen Verleger Cotta die Gründung einer neuen Literaturzeitschrift, »Die Horen«, vereinbart und will Goethe als prominenten Mitarbeiter gewinnen. Goethe dagegen fühlt sich literarisch etwas isoliert, fürchtet auch, den Ansprüchen des Publikums nicht mehr wie früher entsprechen zu können. So kommt ihm die engere Bekanntschaft mit Schiller gerade recht, da er in ihm einen unerwartet ideenreichen Gesprächspartner findet. Aus dieser Interessenkonstellation erwächst eine der interessantesten Dichterfreundschaften der deutschen Literatur.

Der bekannte Biograf Rüdiger Safranski hat anlässlich des 250. Geburtstages Schillers eine ausführliche, gut lesbare Darstellung dieser Freundschaft vorgelegt.

Rüdiger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft. München: Hanser, 2009. ISBN: 978-3-446-23326-3. Preis: € 21,50.

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