19. Dezember 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Mit Ben Thomas (Will Smith) scheint irgendetwas nicht in Ordnung zu sein: Er ist als Außendienstmitarbeiter der US-amerikanischen Finanzbehörde IRS unterwegs, um Steuerschuldner aufzusuchen. Allerdings verhält er sich dabei für einen Steuerbeamten eher sehr merkwürdig. Als er etwa den Leiter eines Altenheims aufsucht, kümmert er sich weniger um dessen finanzielle Situation als vielmehr darum, ob er mit den Menschen in seinem Heim gut umgeht. Und der schwer herzkranken Schuldnerin Emily Posa (Rosario Dawson) bietet er von sich aus eine sechsmonatige Stundung ihrer Schuld an, ohne sie an irgendeine Bedingung zu knüpfen.
Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto seltsamer agiert Ben: So erleben wir, wie er einem älteren Mann, der sich ehrenamtlich um junge Leute der Unterschicht kümmert, eine Niere spendet. Später spendet er Knochenmark für einen Jungen, den er zufällig im Krankenhaus Emilys kennengelernt hat. Und zwischen ihm und Emily entwickelt sich rasch eine Liebesgeschichte, in deren Verlauf wir erfahren, dass Ben tatsächlich ein hochqualifizierter Ingenieur ist, der offenbar ein Geheimnis aus seinem früheren Leben mit sich herumträgt …
Regisseur Gabriele Muccino, der bereits zuvor zusammen mit Will Smith einen Erfolg mit »Das Streben nach Glück« feiern konnte, hat mit »Sieben Leben« einen überraschenden und bewegenden Kinofilm der großen Gefühle geschaffen. Und sein Hauptdarsteller liefert in diesem Film die wohl beste Leistung seiner bisherigen Karriere ab.
»Sieben Leben«. USA, 2008. 1 DVD, Columbia Pictures. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: ca. 118 Minuten. Extras: Audiokommentar des Regisseurs; entfallene Szenen; Featurettes. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 10,–.
Schlagwörter: Liebe, Organspende, Sühne.

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12. Dezember 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Am 16. Dezember 1859 starb in Berlin der jüngere des wohl berühmtesten Brüderpaars der deutschen Literatur: Wilhelm Grimm (1786–1859). Zusammen mit seinem Bruder Jacob (1785–1863) galt er als einer der wichtigsten Sprach- und Literaturwissenschaftler seiner Zeit. Er lehrte bis zu seinem Tod an der Berliner Universität und arbeitete zusammen mit seinem Bruder an einem »Deutschen Wörterbuch«, dessen letzte Einträge erst 1954 erscheinen sollten.
Ihre Popularität aber gewannen die Brüder Grimm durch ihre Sammlung der »Kinder- und Hausmärchen«, deren erster Band 1812 mit 86 Märchen erschien, dem drei Jahre später ein zweiter mit weiteren 72 Märchen folgte. Die Brüder erweiterten und überarbeiteten diese Sammlung in den Folgejahren immer wieder, so dass die 7. Auflage von 1857 schließlich 211 Märchen umfasste. Zum eigentlichen Bestseller wurde aber die sogenannte Kleine Ausgabe von 1825, die nur 50 Märchen enthielt.
Das Interesse sowohl der sammelnden Brüder als auch des Lesepublikums an Volksmärchen war schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden: Die jungen bürgerlichen Schriftsteller suchten damals nach unverbrauchten literarischen Formen und entdeckten die Volkspoesie: Bislang nur mündlich überlieferte Volkslieder, Balladen und Märchen wurden erstmals systematisch gesammelt und dem Druck übergeben.
Selbst wenn man meint, die meisten der Märchen bereits zu kennen, lohnt sich doch einmal ein Blick in eine vollständige Ausgabe, nicht nur der Erinnerungen wegen, die das weckt, sondern auch, weil dort sicher noch die eine oder andere überraschende Entdeckung zu machen ist.
Jakob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand. Stuttgart: Reclam, 2009. ISBN: 978-3-15-010724-9. Preis: € 19,90.
Schlagwörter: Brüder Grimm, Märchen, Volkspoesie.

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5. Dezember 2009, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Der US-amerikanische Politologe George Friedman hat mit seinem neuen Buch kein kleines Wagnis unternommen: Er will – wenigstens in groben Zügen – den Verlauf des 21. Jahrhunderts voraussagen. Welchen Schwierigkeiten er sich dabei gegenübersieht, ist ihm klar, wie er gleich zu Anfang seines Buches deutlich macht. Er beschreibt den Verlauf des vergangenen Jahrhunderts in 20-Jahres-Schritten und zeigt damit, wie nahezu unmöglich es zu sein scheint, geschichtliche Entwicklungen vorauszusagen. Doch er lässt sich davon nicht abschrecken.
Niemanden wird es angesichts der jetzigen weltpolitischen Situation überraschen, dass Friedman das 21. Jahrhundert für das der USA erklärt. Als bedeutendsten Faktor hierfür sieht er deren Vorherrschaft auf den Weltmeeren an, die ihr langfristig ihre Vormachtstellung sichern wird. Spannender ist da schon, wen Friedman für die wichtigsten Gegner der USA im 21. Jahrhundert hält: Das ist zum einen Russland, das noch einmal versuchen wird, seinen Weltmachtstatus zurückzuerlangen. Und das sind zum anderen drei neue Mächte: Japan, die Türkei und Polen. China hält er, im Gegensatz zu vielen anderen Analytikern, für einen Riesen auf tönernen Füßen. Für die kommenden 100 Jahre sagt Friedman außerdem das Ende der Bevölkerungsexplosion und für die Mitte des Jahrhunderts noch einmal einen Weltkrieg voraus.
Solche Sandkastenspiele sind nun offenbar mit Blick auf das US-amerikanische Militär, den wichtigsten Arbeitgeber Friedmans, ersonnen, aber dennoch ist es faszinierend, ihm bei der Entwicklung seiner originellen Szenarien zu folgen.
George Friedman: Die nächsten hundert Jahre. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Frankfurt/M.: Campus Vlg., 2009. ISBN: 978-3-593-38930-1. Preis: € 22,90.
Schlagwörter: 21. Jahrhundert, Geopolitik, USA.

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