31. Januar 2010, 13:52 Uhr
| Autor: Junika
Nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz kehren Nan Wu, ein chinesischer Student in den USA, und seine Frau nicht in ihre Heimat zurück. Es gelingt den beiden, ihren kleinen Sohn, der bei den Großeltern geblieben war, zu sich zu holen. Enttäuscht und verbittert über die Politik Chinas versucht Nan, sich und seiner Familie in den Vereinigten Staaten eine gesicherte Existenz aufzubauen. Er gibt sein Studium auf und arbeitet als Redakteur einer chinesischen Literaturzeitschrift, verdient aber nicht genug, um den Lebensunterhalt zu sichern. Sein eigentlicher Wunsch ist es, Lyrik zu schreiben, aber er beugt sich den Notwendigkeiten des Geldverdienens und nimmt eine Stelle in einem chinesischen Restaurant an. Ein eigenes Restaurant bringt den Wus in Jahren harter Arbeit schließlich einigen Wohlstand. Sie erwerben ein Haus, werden in ihrem neuen Umfeld heimisch und finden amerikanische Freunde. Der Sohn der Familie verliert den Bezug zu seinen chinesischen Wurzel und Nan wird durch eine Reise in seine frühere Heimat darin bestärkt, dass sein Platz nicht mehr dort ist. Erst als die Wus das Restaurant aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen, bietet sich für Nan wieder die Möglichkeit, sich der Lyrik zu widmen. Trotz Rückschlägen und Entmutigung entschließt er sich dazu, nun in englischer Sprache zu schreiben und es gelingt ihm, einige Gedichte zu veröffentlichen.
Der Roman schildert das Schicksal eines Menschen, der durch die Umstände seines Lebens nicht den Weg gehen kann, den er für sich selbst gewählt hätte, letzlich aber doch sein Ziel, das Schreiben, nie aus den Augen verliert. Auch Ha Jin, der Autor des Buches, ist nach den Unruhen in China in den USA geblieben und hat wie sein Protagonist beschlossen, in englischer Sprache zu schreiben. Der Professor für englische Literatur ist für einen seiner früheren Romane mit dem “National Book Award for Fiction” ausgezeichnet worden.

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30. Januar 2010, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Der Deutsche John Rabe (1882–1950) lebte und arbeite zwischen 1911 und 1938 in China. Ab 1931 war er Geschäftsführer der Siemens-Niederlassung in Nanking. Eigentlich sollte er im Jahre 1937 nach dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges Nanking verlassen und nach Berlin zurückkehren, aber kurz vor seiner Abreise wurde Nanking von den Japanern eingekesselt. John Rabe versuchte noch, seine Frau Dora mit dem letzten Schiff herauszubringen, das aber von den Japanern angegriffen und versenkt wurde. Dora Rabe überlebte zum Glück diese Katastrophe.
John Rabe selbst blieb in Nanking und etablierte in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Ausländern eine internationale Schutzzone, die vom japanischen Militär toleriert wurde. In dieser Schutzzone konnten etwa 200.000 Chinesen Zuflucht finden. Sie entkamen auf diese Weise den von den Japanern angerichteten Massakern und systematischen Vergewaltigungen, bei denen mindestens ebenso viele Menschen ums Leben gekommen sind, wie sich in die Schutzzone retten konnten.
Der deutsche Regisseur Florian Gallenberger hat zusammen mit einem international besetzten Ensemble (Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Dagmar Manzel, Anne Cossigny u.v.a.) diese wahre Geschichte in einem erstklassigen und spannenden Spielfilm nacherzählt, der 2009 völlig zu Recht vier deutsche Filmpreise, darunter den für den besten Film gewonnen hat.
»John Rabe«. D/F/China, 2009. 1 DVD, 20th Century Fox. Sprachen: Deutsch, Originalsprachen. Länge: ca. 129 Minuten. Extras: Making-of, Featurette Deutscher Filmpreis 2009, Audiokommentar von Regisseur und Schauspielern, entfallene Szenen. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 15,–.

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23. Januar 2010, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Als im vergangenen Jahr die deutsche Autorin Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, dürfte dies die allermeisten Leser überrascht haben. Zwar wurde ihr Namen von einigen Wettbüros gehandelt, aber gerade in Deutschland dürften sie nur ganz wenige auf der Liste möglicher Kandidaten gehabt haben. Müller wurde 1953 als Tochter eines LKW-Fahrers in Rumänien in die Minderheit der Banater Schwaben hineingeboren. Im Jahr 1987 emigrierte sie in die BRD; sie thematisiert in ihren Romane, Erzählungen und Theaterstücken immer wieder das Leben von Menschen unter den Bedingungen der Diktatur.
Ihren im vergangenen Jahr erschienenen Roman »Atemschaukel« hatte sie zusammen mit ihrem Schriftstellerkollegen und Leidensgenossen Oskar Pastior (1927–2006) geplant, dessen Tod die Realisierung aber vorerst verhinderte. Schließlich hat sich Herta Müller aber entschlossen, den Roman alleine zu schreiben. Erzählt wird in kurzen Episoden das Schicksal des jungen Leopold Auberg, der im Januar 1945, nachdem die Russen die deutschen Besatzer aus Rumänien vertrieben haben, als Deutschstämmiger zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert wird. Erst nach fünf Jahren Plackerei, Hunger, Kälte, Schmutz und Elend darf er zu seiner Familie in einen brüchigen Frieden zurückkehren.
Entstanden ist eine eindringliche und sprachlich beeindruckend originelle Darstellung nicht nur der fünf Jahre im Arbeitslager, sondern auch der tiefgreifenden Auswirkungen, die diese Zeit auf das weiterer Leben Leopold Aubergs hat. Noch 60 Jahre nach seiner Entlassung leidet er unter den Folgen der Verschleppung.
Herta Müller: Atemschaukel. München: Carl Hanser, 2009. ISBN: 978-3-446-23391-1. Preis: € 19,90.
Schlagwörter: Diktatur, Rumänien, Russland.

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16. Januar 2010, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Dieses Doku-Drama erzählt die wahre Geschichte vier junger Pakistani aus der englischen Stadt Tipton. Einer von ihnen reist im September 2001 nach Pakistan, um die von seine Braut kennenzulernen. Wenig später lädt er drei Freunde ein, ihm zur Hochzeit nachzureisen. Sie treffen sich in Karatschi; da mit ihren bescheidenen finanziellen Mitteln den Menschen vor Ort helfen wollen, reisen sie von dort nach Afghanistan.
Schon wieder auf der Rückreise nach Pakistan befindlich, werden sie in die Kriegshandlungen verwickelt. Nachdem sie die Belagerung von Kundus überlebt haben, bei der allerdings einer der Freunde für immer verschwindet, werden sie gefangen genommen und wenig später den US-amerikanischen Truppen übergeben, von denen sie unter dem Verdacht der Zugehörigkeit zu al-Quaida wochenlang gefangengehalten und verhört werden. Schließlich verbringt man sie in das Lager Guantanamo Bay auf Kuba. Dort werden sie nicht nur monatelang unter menschenunwürdigen Bedingungen ohne Anklage und rechtlichen Beistand gefangengehalten, sondern sie werden auch einer Reihe nicht enden wollender Verhöre und unmenschlichen Quälereien ausgesetzt. Erst im März 2004, nach über zwei Jahren Gefangenschaft, wurden sie freigelassen und nach England ausgeflogen. Es wurde gegen sie nie eine Anklage erhoben.
Michael Winterbottom dokumentiert die Geschichte der »Drei aus Tipton« minutiös mit einer Mischung aus Interviews und Spielfilmszenen. Der Film enthält sich bewusst jeder politischen oder moralischen Wertung, sondern lässt die Geschichte ganz für sich selbst sprechen. Er gewann auf der Berlinale 2006 einen Silbernen Bären.
»The Road to Guantanamo«. UK, 2006. 1 DVD, Falcom. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: ca. 92 Minuten. Extras: Interviews. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 10,–.
Schlagwörter: Afghanistan, Doku-Drama, Guantanamo.

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14. Januar 2010, 10:59 Uhr
| Autor:
Claudia Elsner-Overberg
Der Untertitel dieses amüsanten Buches ist bezeichnend: “Wie blöd sind wir eigentlich?” fragt das Autorenteam, das sich selbst zur Generation Doof zählt. Witzig und mit klarer analytischer Sicht gehen beide Autoren mit ihrer Generation ins Gericht. Stefan Bonner sagt von sich, er sei Journalist und Fernsehgucker. Anne Weiss ist Kulturwissenschaftlerin und hat sich lange beruflich mit Jugendkulturen und privat mit Joghurtkulturen befasst.
Die gesammelte Blödheit einer Generation wird hier zur Schau gestellt, allerdings nicht, ohne Hintergründe zu erläutern. Denn die Generation Doof mag es gemütlich und ohne Stress, dazu am besten öffentlich unter Preisgabe ganz persönlicher Dinge, die ohne Scham zur Schau gestellt werden. Der Traumjob ist entweder, mit Hartz IV arbeitslos zu sein, oder – wenn das nicht klappt – einfach Superstar zu werden. Das ist doch voll einfach, das sieht man doch täglich im Fernsehen! Weiterlesen »
Schlagwörter: Bildung, Generation, Jugend.

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