31. März 2010, 19:06 Uhr
| Autor:
Gerhard Hallstein
Nach vierzehn Jahren kehrt Peter Bernward, der ehemalige Untersuchungsbeamter des Bischofs von Augsburg, im Jahre 1478 in seine Heimatstadt Augsburg zurück. Er will dort seine Tochter Maria wieder finden, von der er sich seinerzeit auf sehr unglückliche Weise verabschieden musste.
Doch er wird aufgehalten. Ein Mord geschieht: Ludwig Stinglhammer, der Buchhalter von Ulrich Hoechstetter, wird ermordet in seinem Schreibzimmer aufgefunden – die Tür von innen verschlossen und das einzige Fenster viel zu klein für seinen Mörder.
Gemeinsam mit Gregor von Welden, einem Freund aus Jugendtagen und dem jetzigen Untersuchungsbeamten des Bischofs von Augsburg, macht er sich an die Aufklärung dieses Mordes, die sich sehr schwierig gestaltet: Es gibt drei weitere Leichen. Und die Grubenleute sind zurück. Oder waren sie nie verschwunden?
Und Peter Bernward muss sich immer mehr mit der Frage auseinander setzen, ob nicht seine Tochter Maria in diese Morde verwickelt ist.
Leseprobe:
Es war das Gesicht eines Leichnams: leblose Züge, tote schwarze Augenlöcher, farblose, fest zusammengepresste Lippen, fahlgelb und bar jeder menschlichen Regung.
Das Fackellicht glitzerte darauf und warf einen Reflex.
Der Priester hatte das Gesicht eines römischen Hauptmanns, in Gold getrieben und zweifellos dereinst an dessen Prunkhelm befestigt. Vielleicht war der Soldat Christ gewesen und hatte das Kleinod zu seinem Leichnam in eine Nische legen lassen, vielleicht hatte der Priester der Grubenleute es anderswo gefunden. Es spielte keine Rolle. Es war eine Maske und das eigentliche Gesicht darunter unkenntlich, wie die ganze Gestalt unter dem Mantel nicht zu identifizieren war. Er wandte sich der anderen Seite der Kammer zu und breitete die Arme noch weiter aus.
Die Messe begann.
(Richard Dübell “Das Spiel des Alchimisten”, ISBN 3-431-03005-x / Regalstandort: SPANNUNG Krimi Historisches DÜBEL / Homepage des Autors)

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29. März 2010, 13:53 Uhr
| Autor:
Gerhard Hallstein
Redensarten und Sprichworte sind das Salz in der Sprachsuppe eines jeden Landes. Was wäre Sprache langweilig, wenn wir sie lieb, brav und gehorsam nur nach den Regel sprechen, die uns irgendeine Kommission vorgegeben hat.
So oder ähnlich hat bestimmt der Autor – Weltenbummler, Weltengenießer, Weltendenker – gedacht, als er mit viel Spaß an den Sprachen dieser Welt über 800 Redensarten aus 15 Ländern gesammelt und zusammen gestellt hat.
Dieses Buch eignet sich aus meiner Sicht gut, um auf dem Weg zur Arbeit noch nicht an die Arbeit zu denken und auf dem Rückweg von der Arbeit Abstand zu gewinnen. Und natürlich auch für jedes andere fahrende Volk. Autofahrer sollten sich allerdings von ihren Mitreisenden vorlesen lassen (wäre sehr empfehlenswert). Vielleicht kann man Mitreisenden auch aus dem Buch vorlesen (hier wäre vorheriges Fragen bestimmt angesagt).
Eine Pflichtlektüre für Menschen, die Sprachen lieben und sehr gerne mit Sprache spielen und arbeiten.
Es gibt Orte auf der Welt, an denen führt kein Weg vorbei. Man muss sie einfach gesehen haben. Welch Attraktion muss zum Beispiel der Platz in Spanien sein, “wo Gott die Weste verlor”, “Jesus sein Feuerzeug” liegen ließ, dem “Teufel sein Poncho” abhanden kam und der “Heilige Pankratius seine Baskenmütze” nicht mehr wiederfand.
(Matthias Zimmermann “Von nackten Rotkehlchen und furzenden Wölfen”, ISBN 978-3-86124-637-4)

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27. März 2010, 22:37 Uhr
| Autor:
Gerhard Hallstein
Wie fasse ich einen fast tausendseitigen historischen Roman zusammen, der von der ersten bis zur letzten Zeile spannend bleibt? Während des Lesens musste ich öfters innehalten, um das Gelesene zu verdauen.
Der Roman beginnt 1502 und spielt in Venedig. Laura und Antonio begegnen sich schon als Kinder. Sie kämpfen in ihrer Kindheit zusammen mit dem entlaufenen Sklaven Carlo und der Hure Valeria ums nackte Überleben. Doch alle wollen aus ihrem Elend heraus und schaffen es auch auf unterschiedlichen Wegen, die sie so manches Mal voneinander wegführen. Doch ihre Wege kreuzen sich immer wieder. Laura und Antonio bringen es zu Wohlstand. Während Laura mehr den ruhigen Weg sucht, ist Antonio geprägt von der Gier nach Reichtum.
Kriege, Intrigen und ein kaltblütiges Geschwisterpaar bestimmen nachdrücklich ihr Leben und ihre Suche zueinander. Wie auch im realen Leben sterben hier die Guten zuerst und die Bösen zum Schluss – schließlich werden Bücher von realen Menschen geschrieben. Die Geschichte fällt auch in die Zeit der Pest im Sommer 1510, in der sich Laura und Antonio von vielen sehr lieben und geachteten Menschen trennen müssen.
Die Geschichte geht für Laura, Antonio, Carlo und Valeria glücklich und zufrieden aus: “. . . Jedoch nicht daraus schöpfte sie Kraft und Zuversicht, sondern aus dem, was in der Zukunft lag: Ihrer aller Wiederkehr nach Hause, zurück in die Lagune von Venedig.”
(Charlotte Thomas “Die Lagune des Löwen”, ISBN 978-3-431-03744-9 / Regalstandort: Roman A – Z Historisches THOMA / Homepage der Autorin)

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27. März 2010, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Normalerweise nehmen nur wenige Leser den Namen des Übersetzers eines Buches mehr als flüchtig zur Kenntnis. Und so verwundert es nicht, dass es nur wenigen Übersetzern gelingt, aus dem Schatten des übersetzten Autors herauszutreten. Einer dieser wenigen war zweifelsohne Hans Wollschläger, der am 17. März vor 75 Jahren in Minden geboren wurde. Er entstammte einem Pastorenhaushalt und zeigte schon früh hohe sprachliche und musikalische Begabungen. Nach einem Musikstudium wird er aber nicht Musiker, sondern wendet sich der Literatur zu. Er schreibt an einem Roman, verfasst eine Karl-May-Biografie, übersetzt zusammen mit Arno Schmidt das Werk Edgar Allan Poes und erhält schließlich vom Suhrkamp Verlag den Auftrag, den »Ulysses« von James Joyce neu zu übersetzen. Diese Übersetzung ist es, die ihn berühmt macht.
Wollschläger kann den Jahrhundertroman mit großer Sorgfalt und in einem angemessenen Tempo übersetzen, da ihm der Verleger Siegfried Unseld den entsprechenden Freiraum einräumt. So entsteht in vierjähriger Arbeit ein Sprachkunstwerk, das neben dem Original bestehen kann. Insbesondere die Übersetzung des schwierigen Kapitels »Oxen of the Sun« ruft bei Kritik und Lesern Erstaunen und Bewunderung hervor: Der Vorlage folgend bildet Wollschläger in diesem Kapitel die gesamte Entwicklung der deutschen Sprache von den althochdeutschen Anfängen bis zum Kneipendialekt unserer Tage nach.
Als Autor hat Hans Wollschläger nur selten ein größeres Publikum erreichen können, doch seine »Ulysses«-Übersetzung wird wohl noch für einige Generationen von Lesern grundlegend bleiben.
James Joyce: Ulysses. Aus dem Englischen übersetzt von Hans Wollschläger. Suhrkamp Taschenbuch 3816. ISBN: 978-3-518-45816-7. Preis: € 12,50.
Schlagwörter: Übersetzungen, James Joyce, Ulysses.

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20. März 2010, 08:00 Uhr
| Autor:
Marius Fränzel
Als Richard M. Nixon am 9. August 1974 als erster und bislang einziger US-amerikanischer Präsident von seinem Amt zurücktrat, wurde dies in allen Medien weltweit mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt. Zu dieser Zeit war David Frost als Fernseh-Moderator und Talkmaster in England und Australien tätig. Er gehörte zu jener exklusiven Gruppe, die man damals »Jet-Set« nannte. Frost spekulierte darauf, dass ein Interview mit Nixon auf breites Interesse stoßen würde. Er fragte bei Nixons Agenten an, und da er bereit war, 600.000 $ für das Interview zu zahlen, bekam er den Zuschlag. Nixon rechnete damit, sich in diesem Interview im besten Licht darstellen und sein ruiniertes Image wieder aufpolieren zu können. Noch während das Interview produziert wurde, das sich schließlich als eines der wichtigsten Dokumente zur neueren amerikanischen Geschichte erweisen sollte, unternahm Frost verzweifelte Versuche, es an einen der großen Sender zu verkaufen und so die Finanzierung des Projekts zu sichern; doch wider Erwarten zeigte kein Sender Interesse …
Regisseur Ron Howard (»A Beautiful Mind«, »The Da Vinci Code«) hat mit seinen beiden Hauptdarstellern Michael Sheen und Frank Langella aus diesem Material einen ebenso informativen wie spannenden Spielfilm gemacht, in dem nicht nur die Vorgeschichte des Zustandekommens, sondern auch das Interview selbst breiten Raum einnimmt. Dieser Film demonstriert einmal mehr, dass die Verfilmung historischer Ereignisse zugleich interessant und exakt sein kann.
»Frost/Nixon«. USA, 2008. 1 DVD, Universal. Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch. Länge: ca. 117 Minuten. Extras: Kommentar des Regisseurs, Making-of, entfallene Szenen, Ausschnitte aus den Original-Interviews u.a. FSK: ab 6 Jahren. Preis: ca. € 8,–.
Schlagwörter: 70er-Jahre, USA, Watergate.

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