Archiv für April 2010


Vom großen Lafcadio

24. April 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

»Lafcadio« ist ein Kinderbuch, das beinahe 50 Jahre alt ist und das verdient hätte, viel bekannter zu sein. Sein Autor Shel Silverstein erzählt in ihm die Geschichte eines jungen Löwen, der nicht wie seine Artgenossen vor den Jägern wegläuft, sondern einem von ihnen kurzerhand das Gewehr abnimmt und ihn auffrisst. Mit dem Gewehr bildet er sich selbst zum Scharfschützen aus und wird daraufhin von einem Zirkusdirektor mit dem Versprechen, ihn mit Marshmallows zu füttern, in die Stadt gelockt.

Dort trifft die junge Raubkatze bei ihrem ersten Ausflug den Erzähler der Geschichte, Onkel Shelby, der ihn zum Friseur begleitet, ihm seinen Schneider empfiehlt und ihn nicht zuletzt zum Essen ausführt, bei dem dann auch die versprochenen Marshmallows serviert werden. Am nächsten Tag bekommt der Löwe seinen Bühnennamen »Der große Lafcadio«, und schon sein erster Auftritt wird eine Sensation. Lafcadio wird zu einer großen Berühmtheit und ein echter Salonlöwe. Onkel Shelby, sein erster und bester Freund, führt ihn in die große Gesellschaft ein, und Lafcadio lässt seine »wilde« Vergangenheit mehr und mehr hinter sich. Natürlich erweist es sich, dass das Leben in menschlicher Gesellschaft auch einen Löwen auf Dauer nicht glücklich macht. Da kommt es gerade recht, dass der Direktor einen Jagdausflug nach Afrika vorschlägt …

Der vielseitige Shel Silverstein (1932–1999) war Schriftsteller, Musiker und Zeichner und hat »Lafcadio« nicht nur geschrieben, sondern auch selbst illustriert. Die deutsche Ausgabe hat das Glück, in Harry Rowohlt einen kongenialen Übersetzer gefunden zu haben.

Shel Silverstein: Lafcadio. Ein Löwe schießt zurück. Aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2004. ISBN: 978-3-596-85140-9. Preis: € 11,90.

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Mein Abenteuer Wildnis – Erlebnisse eines Tierfotografen

22. April 2010, 13:16 Uhr | Autor: Gerhard Hallstein

Benny Rebel ist Tierfotograf aus Leidenschaft und mit sehr viel Herzblut. Seine Abenteuer Auge in Auge mit der Natur haben ihn schon über den ganzen Erdball geführt. So dokumentieren seine Fotografien die Tiere in Afrika, Indien, dem Iran und auf den Galapagos-Inseln. Auf über 200 Fotos und Karten zeigt Benny Rebel “seine” Tiere und erzählt in Bildern und Worten von den vielen Schwierigkeiten, wildlebende Tiere im Bild festzuhalten.

Viele Male ist er während seiner Arbeit in lebensbedrohliche Situationen geraten. Doch seinen langjährigen Erfahrungen im Umgang mit wildlebenden Tieren und einer ordentlichen Portion Glück hat er es zu verdanken, dass ihm nichts passiert ist. Und auch die politischen Hintergründe in Ländern wie dem Iran lässt er nicht außen vor, weil auch Politik starken Einfluss auf den Naturschutz hat.

Nicht nur in der freien Wildbahn hatte er gefährliche Begegnungen, sondern auch in der Zivilisation in Form von bewaffneten Räubern und Drogendealern.

Seit meiner Kindheit beschäftige ich mit den Verhaltensmustern der verschiedenen Tiere und versuche, bei meinen Begegnungen mit den Wildtieren aus der Gestik und Mimik der Tiere zu lesen und mit ihnen eine Kommunikation aufzubauen. Normalerweise funktioniert das gut und selbst Angriffe der Tiere sind auf diese Weise gut kalkulierbar und verlaufen fast immer glimpflich. In sehr seltenen Fällen jedoch gerät die Situation außer Kontrolle und plötzlich wird es lebensgefährlich.

Obwohl ich in der Regel gefährlichen Tieren gegenüber relativ gelassen bin, gibt es Ausnahmemomente, in denen die Situation so bedrohlich wird, dass ich es mit der Angst zu tun bekomme. Von solchen Begegnungen, aber auch schönen und bereichernden Erfahrungen berichte ich in diesem Buch. Ich möchte, dass Sie, als Leser, mit mir auf Safari gehen. Die Geschichten beruhen auf wahren Abenteuern und haben sich genauso zugetragen, auch die gefährlichen und lebensbedrohlichen Begegnungen. Dank meines Gottes und guter Reaktionen haben meine Begleiter und ich – aber auch die Tiere – diese Situationen zumeist unbeschadet überstanden.

Benny Rebel “Mein Abenteuer Wildnis – Erlebnisse eines Tierfotografen”, ISBN 978-3-7423-1027-3  /  Regalstandort: 11 Fauna Allgemeines REBEL

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Und plötzlich ist alles ganz anders – Ungerade Lebensläufe

19. April 2010, 13:34 Uhr | Autor: Gerhard Hallstein

Es gibt Erlebnisse im Leben von uns Menschen, die unser Leben einschneidend verändern und ihm eine ganz neue Richtung geben. Dieses Buch erzählt zwanzig solcher Lebensläufe:

Der Mann, der Mutter und Schwester in Auschwitz verloren hat und den Nazis nur knapp durch seine Flucht ins Ausland entkam. Er kehrte als Diplomat nach Deutschland zurück und wurde ein begnadeter Mittler zwischen, Juden, Christen und Muslimen.

Susanne und Alexander haben sich in einem Heim für Schwerstbehinderte kennen gelernt – oft Endstation für die Heimbewohner. Doch sie haben dieses vorgegebene Schicksal nicht akzeptiert und dagegen rebelliert. Heute leben sie ihren Traum von den eigenen vier Wänden und sind unzertrennlich.

Dreimal hatten die Ärzte ihn fast aufgegeben, dreimal hat ihn eine Lebertransplantation vor dem Tod bewahrt. “Das ist bei mir wie bei der Raupe”, sagt Erich Schmidt, als er anfängt, seine Geschichte zu erzählen. “Gerade als sie dachte, ihr Leben sei vorbei, wurde sie zum Schmetterling.” Und dieser Schmetterling ist mit seiner Frau schon bis nach Sankt Petersburg “geflogen”.

Wolfgang Müssig war an Leukämie erkrankt. Nachdem sich ein Knochenmarkspender gefunden und er das Schlimmste überstanden hatte, wurde er plötzlich blind. Doch sein ungebrochener Lebensmut lässt ihn weiterleben. Seine Devise lautet Carpe noctem – Nutze die Nacht.

Vor wenigen Tagen ist Kurt Peipe zurück gekehrt. 3350 Kilometer ist der 65-jährige Gärtnermeister aus Hessigheim durch Europa gelaufen, trotz seines künstlichen Darmausgangs, der schlechten Blutwerte und der vorauseilenden Befunde der behandelnden Ärzte. Es gab viele Begegnungen, gefährliche Situationen, bewegende Momente. Kurt Peipe hat alles konserviert in seinem Tagebuch, das vor ihm auf dem Gartentisch liegt. Es ist voller Geschichten, die zu denken geben, wie der Mann zu denken gibt, der sie aufgeschrieben hat.

Michael Ohnewald “Und plötzlich ist alles ganz anders” ISBN 978-3-940086-34-1  /  Regalstandort: Biographien 2 OHNEW

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Die Demütigung

17. April 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Der alternden Schauspieler Simon Axler gerät in eine tiefe Krise, als ihm seine Fähigkeit der intuitiven Darstellung seiner Rollen abhanden kommt. Dann trennt sich auch noch seine Ehefrau von ihm, und Axler lässt sich in eine psychiatrische Klinik einweisen, da er sich für akut selbstmordgefährdet hält. Allerdings lehnt er alle Hilfsangebote ab: Weder versucht er ernstlich, an den Therapieangeboten der Klinik teilzunehmen, noch geht er auf den Vorschlag seines Agenten ein, mit einem auf solche Krisen spezialisierten Schauspiellehrer zu arbeiten. Stattdessen zieht er sich komplett zurück.

Nach mehreren Monaten Einsamkeit bekommt Axler Besuch von der Tochter zweier Kollegen, Pegeen Stapleford, 25 Jahre jünger als er und eigentlich lesbisch. Sie verführt Axler und beginnt mit ihm eine Affäre, in der es Axler großes Vergnügen bereitet, in Pegeen das zu wecken, was man gemeinhin die feminine Seite nennt: Er kauft ihr Kleider, überredet sie zu einer neuen Frisur usw. Pegeens Eltern reagieren auf die Affäre besorgt: Sie warnen ihre Tochter davor, dass sie sich bald in einer Beziehung zu einem Siebzigjährigen wiederfinden wird, der sie mehr als Pflegerin denn als Partnerin nötig haben wird. Trotz dieses Widerstandes finden die ungleichen Partner ein labiles Gleichgewicht, das erst ins Wanken kommt, als sie sich auf ein sexuelles Experiment einlassen …

Der US-amerikanische Schriftsteller Philip Roth (geb. 1933) legt seine längeren Erzählungen derzeit im Jahresrhythmus vor. Mit »Die Demütigung« ist ihm einmal mehr ein eindringliches Porträt eines alternden Mannes gelungen.

Philip Roth: Die Demütigung. Aus d. Amerikanischen v. Dirk van Gunsteren. München: Hanser, 2010. ISBN: 978-3-446-23493-2. Preis: € 15,90.

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Termini

10. April 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Dorothea Dieckmann (geb. 1957) ist eine der bekannteren unter den unbekannteren deutschsprachigen Schriftstellerinnen. Ihre ersten Bücher erschienen Anfang der 90er Jahre; sie ist seitdem als freie Schriftstellerin und Journalistin tätig. Im letzten Jahr legte sie mit »Termini« einen anspruchsvollen politischen Roman vor, der Ende Juli, Anfang August 1996, also zur Zeit des ersten römischen Prozesses gegen Erich Priebke spielt. Im Zentrum steht der junge Journalist Ansgar Weber, der im Auftrag des »Spiegel« nach Rom gekommen ist, um über den Abschluss des Prozesses zu berichten. Doch Ansgar treibt tatsächlich ein ganz anderer Plan um: Durch die Tochter seines Chefredakteurs kann er Kontakt zu der tot geglaubten Autorin Lydia Marin aufnehmen. Seitdem sie ihren Tod vorgetäuscht hat, lebt sie anonym in einem Vorort von Rom und ist vielleicht bereit, Ansgar ein Interview zu geben. Dieses Interview wäre eine Sensation, die es Ansgar ermöglichen würde, sich als Journalist selbstständig zu machen und dem verhassten Druck in der »Spiegel«-Redaktion zu entkommen.

Ansgar verbringt insgesamt vier Tage in Rom, an denen er den Gerichtssaal des Priebke-Prozesses nicht ein einziges Mal betritt. Zwar gelingt es ihm tatsächlich, das Interview mit der Verschollenen zu führen, aber die Tonbänder gehen verloren und die Autorin selbst verschwindet erneut spurlos. Und dann erlebt Ansgar eine albtraumhafte Nacht in der römischen Unterwelt, die ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt …

»Termini« ist ein sprachlich außergewöhnlich dichter Roman, in dem jeder Satz, jedes Wort bewusst gesetzt ist. Eine Seltenheit im Einerlei der aktuellen Romanproduktion.

Dorothea Dieckmann: Termini. Stuttgart: Klett-Cotta, 2009. ISBN: 978-3-608-93660-5. Preis: € 21,90. Dieser Titel kann in der Stadtbibliothek Solingen über die Bergisch-Bib entliehen werden.

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