Archiv für Juli 2010


In the Electric Mist

31. Juli 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Inspektor Dave Robicheaux (Tommy Lee Jones) untersucht den Mord an einer jungen Prostituierten, deren Leiche verstümmelt in den Sümpfen von Louisiana entdeckt worden ist. Sein Verdacht fällt sehr rasch auf Julie ›Baby Feet‹ Balboni (John Goodman), einen einflussreichen Kriminellen, der versucht sein Renommee zu verbessern, in dem er ins Filmgeschäft eingestiegen ist. Er finanziert daher einen Film, der während des amerikanischen Bürgerkriegs spielt. Zu selben Zeit lernt Robicheaux eher zufällig die beiden Hauptdarsteller dieses Filmes kennen: Elrod Sykes (Peter Sarsgaard) und Kelly Drummond (Kelly Macdonald). Elrod erzählt Robicheaux, dass er während des Drehens im Sumpf den Leichnam eines Schwarzen, wahrscheinlich eines Sklaven entdeckt hat. Als er das Skelett untersucht, wird Robicheaux klar, dass er als Kind Zeuge der Ermordung dieses Mannes geworden ist. Damals hat ihm niemand glauben wollen, und die Polizei hat sich um den Fall nicht weiter gekümmert. Als kurz darauf versucht wird, Robicheaux zu ermorden, wird ihm klar, dass er der Lösung zumindest eines dieser Fälle näher sein muss, als er ahnt …

Der französische Regisseur Bertrand Tavernier hat nach der Romanvorlage von James Lee Burke einen atmosphärisch außergewöhnlich dichten Film gedreht, in dem es ausnahmsweise mehr um die Charaktere als um die Aufklärung des Verbrechens geht. Vor dem Hintergrund des vom Hurrikan Katrina zerstörten New Orleans ist ein originelles Porträt des Südens der USA entstanden.

»In the Electric Mist«. USA/Frankreich, 2009. 1 DVD, Koch Media. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: ca. 112 Minuten. Extras: Making-of; geschnittene Szenen. FSK: ab 16 Jahren. Preis: ca. € 13,–.

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Das Kabinett des Doktor Parnassus

26. Juli 2010, 22:10 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Das  ist der letzte Film, in dem Heath Ledger mitspielte. Der Schauspieler starb am 22. Januar 2008 während der Dreharbeiten an einer Überdosis Tabletten. Der Film stand daraufhin vor dem Scheitern, Terry Gilliam, der Regisseur und Drehbuchautor wollte den Film aufgeben. Niemand würde Heath Ledgers Rolle übernehmen können, zu groß war die emotionale Belastung. Doch dann übernahmen Johnny Depp, Colin Farrel und Jude Law zu dritt Heath Ledgers Part:  Damit retteten sie den Film und dokumentierten ihre  Freundschaft und Zuneigung  zum verstorbenen Kollegen.  Das gibt dem Film einen besonderen Reiz.

Zwei Jahre vorher hatte Terry Gilliam mit Charles MacKeown beschlossen, mal wieder ein Originaldrehbuch zu verfassen: Doktor Parnassus, entsprungen aus einer vergangenen Zeit, wurde als Idee geboren. Der Magier und Zauberer reist mit seiner kleinen Truppe in  einem uralten Theaterwagen durch das London der Jetzt-Zeit. Weiterlesen »

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Die Welt ohne uns

24. Juli 2010, 08:57 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Was würde geschehen, wenn von einem Augenblick zum nächsten alle Menschen von der Erde verschwunden wären? Wie lange würde die Natur brauchen, die vom Menschen besiedelten Gebiete zurückzuerobern? Und wie lange würden sich noch Überreste der Zivilisation finden lassen?

Das Buch »Die Welt ohne uns« des amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Alan Weismans versucht, diese und ähnliche Fragen im Gedankenspiel zu beantworten. Die Idee zu diesem Buch erwuchs aus einem Artikel Weismans, der beschrieb, wie sich die Natur im Gebiet um den Reaktor von Tschernobyl entwickelte. Dort leben einerseits kaum noch Menschen, andererseits ist das Gebiet immer noch mit einer hohen Strahlung belastet. Von seinen dortigen Beobachtungen ausgehend, beschäftigte sich Weisman mit dem Schicksal menschlicher Bauten rund um die Erde: Er lässt in Gedanken Wohnhäuser zerfallen, die U-Bahn von New York im Wasser versinken oder große Industrieanlagen im Süden der USA in katastrophalen Bränden untergehen. Sogar das größte menschliche Bauprojekt, der Panamakanal, wäre ohne kontinuierliche Instandhaltung innerhalb von kurzer Zeit von der Natur zerstört.

Gleichzeitig mit diesen Untergangs-Szenarien stellt Weisman die erstaunliche Fähigkeit der Natur dar, sich zu regenerieren und geschlagene Wunden zu heilen. Trotz dieser Fähigkeit werden einige Überreste der Zivilisation auch nach hunderttausenden von Jahren noch die Natur belasten, so z. B. die radioaktiven Sprengstoffe, die wir angereichert haben, oder der Plastikabfall, den wir produzieren.

»Die Welt ohne uns« ist ein gut lesbares, informatives Sachbuch über die Auswirkungen der menschlichen Zivilisation.

Alan Weisman: Die Welt ohne uns. Piper Taschenbuch5305. ISBN: 978-3-492-25305-5. Preis: € 9,95.

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“Maria, ihm schmeckt’s nicht!” Film nach dem Bestseller von Jan Weiler

17. Juli 2010, 22:58 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Jan schreibt Sachbücher und hat  den Heiratsantrag seiner italienisch-stämmigen Freundin Sara angenommen: Er glaubt, das gäbe eine kleine,  ruhige,  standesamtliche Hochzeit ohne viel Trara. Doch da hat er die Rechnung ohne seinen zukünftigen Schwiegervater  gemacht. Antonio, ein echter italienischer Papa, besteht darauf, dass seine Tochter im Schoße der Familie im tiefsten Apulien heiratet. Widerwillig machen sich die beiden jungen Leute auf die Reise in ein malerisches Örtchen in Süditalien, wo Jan einen Schock nach dem anderen erlebt. Beispielhaft ist der Strandausflug zu nennen: Was für ein Haufen von Zeug schleppen die da zum Meer! Wie kurz vor einem Umzug stapeln sich die Badeuntensilien (haufenweise Sonnenschutzmittel ohne Lichtschutzfaktor!) im Sand. Zur Hochzeitsfeier ist natürlich die ganze Sippschaft  eingeladen: Alle Temperatmente sind vertreten! Jan fragt sich ernsthaft, ob Sara mit Familie wirklich die Richtigen für ihn sind.  “Maria, ihm schmeckt’s nicht” ist eine gelungene Inszenierung des Erfolgsromans von Jan Weiler, die  kurzweilig und spritzig daher kommt.  Die durchweg unsynchronisierte italienische Verwandtschaft überfordert jede/n auf Anhieb: Man leidet mit dem völlig überforderten Jan auf das Innigste mit.

“Maria, ihm schmeckt’s nicht!” nach dem Roman von Jan Weiler. Regie: Neele Leana Vollmar.  Darsteller: Lino Banfi (Antonio, Saras Vater), Christian Ulmen (Jan), Mina Tander (Sara)… Deutschland, Italien, 2009. Constantin-Film. – ca. 94 Min.  FSK o.A.  Prädikat: wertvoll. Empfohlen ab 12 Jahren.

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Irrungen, Wirrungen

17. Juli 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Theodor Fontane hat erst spät in seinem Leben begonnen, Romane zu schreiben. Er war längst ein bekannter Journalist und Theaterkritiker, Lyriker und Reiseschriftsteller als 1878 – Fontane war schon beinahe 60 – mit »Vor dem Sturm« sein etwas umständlich erzählter erster Roman erschien. Trotz den kleinen Fehlern seines Erstlings lieferte Fontane von da an beinahe jährlich einen neuen, erfolgreichen Roman.

»Irrungen, Wirrungen«, zehn Jahre nach »Vor dem Sturm« erschienen, erzählt die Geschichte der Liebe zwischen Baron Botho von Rienäcker und dem Schneidermädchen Lene Nimptsch. Das Thema war damals nicht ungewöhnlich; besonders die Trivialliteratur war voll von solchen Geschichten, die oft nach dem Motto endeten: Amor vincit omnia – die Liebe siegt über alles.

Bei Fontane geht es dagegen realistischer zu: Schon ein erster Ausflug nach Hankels Ablage im Süden Berlins macht den beiden Liebenden deutlich, dass es ein großer Unterschied ist, ob sie nur zu zweit sind oder ob sie sich gemeinsam in Gesellschaft bewegen müssen. Hinzukommt, dass Botho beinahe schon verlobt ist und durch die Mitgift seiner Familie finanziell auf die Beine helfen könnte. So heiratet Botho schließlich vernunft- und standesgemäß, und auch Lene findet am Ende einen zu ihr passenden Mann. Doch Botho braucht lange, bis er mit seinen Gefühlen zu Lene abschließen kann …

Der Roman hat bei seinem Erscheinen einen Skandal ausgelöst. Besonders dass Fontane seine beiden Hauptfiguren während des Ausflugs gemeinsam in einem Zimmer übernachten lässt, führte zu heftigen Reaktionen; sogar als »gräßliche Hurengeschichte« ist der harmlose, kleine Roman damals beschimpft worden.

Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Reclam UB 18741. ISBN: 978-3-15-018741-8. Preis: € 3,60.

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