Kategorie: Buch


Der Zauberberg

28. Januar 2012, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Im Jahr 1912 besuchte der schon berühmte Schriftsteller Thomas Mann seine Frau Katja für drei Wochen in einem Sanatorium in Davos. Sowohl die brieflichen Schilderungen seiner Frau als auch seine eigenen Eindrücke wollte er anschließend zu einer humoristischen Novelle verarbeiten, die er im Jahr 1913 parallel zum Roman »Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« zu schreiben begann. Aber wie so oft bei ihm gewann das neue Projekt während des Erzählens immer mehr an Umfang, so dass er sich im Jahr 1915, während des Ersten Weltkriegs, sogar genötigt fand, das Buch für etwa fünf Jahre ruhen zu lassen. Erst 1920 setze er die Arbeit fort; 1924 erschien dann der auf mehr als 1.000 Seiten angewachsene Roman.

Erzählt wird die Geschichte Hans Castorps, eines 23-jährigen, Hamburger Ingenieurs, der für drei Wochen nach Davos fährt, um dort seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen. Zuerst befremdet ihn die Gesellschaft der Kranken im Sanatorium Berghof, die wie in einer eigenen, abgetrennten Welt leben. Da es sonst nicht viel zu tun gibt und ihn das ungewohnte Klima angreift, nimmt er spaßeshalber am Kurbetrieb teil und gewöhnt sich so langsam ein. Und er verliebt sich in eine der Patientinnen, Clawdia Chauchat, eine junge Russin, die für seine Aufmerksamkeiten durchaus empfänglich zu sein scheint. Doch als er nach drei Wochen wieder abreisen soll, erkältet sich Hans Castorp und bekommt bei der Konsultation des Chefarztes Hofrat Behrens eine beunruhigende Diagnose gestellt: Die Erkältung sei nur ein Symptom für eine nie richtig ausgeheilte Lungenerkrankung, die es dringend zu behandeln gelte. So richtet sich der junge Mann auf einen längeren Aufenthalt ein …

Thomas Mann: Der Zauberberg. Fischer Taschenbuch 90124. ISBN: 978-3-596-90124-1. Preis: € 13,00.

Schlagwörter: , , .

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | 1-mal bewertet; Durchschnitt: 5,00 Punkte.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

„Tschick” von Wolfgang Herrndorf

22. Januar 2012, 18:03 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

“Kachelt der nur rum oder ist der voll stulle? Wir spürten nichts und dann kamen die Schweine”.

Dieser Roman, der als Bestseller die Charts eroberte und 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie ‘Jugendbuch’ erhielt, ist gleichzeitig komisch, anrührend, dann wieder traurig und auch mal schräg: Das ist beste Literatur, die sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen gelesen werden kann.

Zwei Jungs sind die Helden: beide Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow, ist ein russischer Einwanderer und kommt schon mal besoffen zum Unterricht. Er schweigt gut und viel, scheint aber ganz klug zu sein.

Maik Klingenberg kommt aus einem wohlhabenden Haus. Der Vater scheint jedoch fast bankrott zu sein und hat eine Geliebte. Die Mutter ist sympathisch, trinkt allerdings zu viel. Sie ist entweder auf dem Tennisplatz oder in der Entzugsklinik. Wenn sie daheim ist, versenkt sie auch schon mal das Mobiliar im Swimmingpool. Das macht sie mit großer Freude.

Beide Jungs gehören nicht dazu und werden daher nicht auf Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen. Tatjana ist nämlich das schönste Mädchen der Klasse, und Maik ist verliebt in sie. Vereint in ihrem Außenseiterdasein brechen die beiden Freunde aus:  Sie knacken einen Lada und fahren los, die sogenannte ‚Walachei’ ist ihr Ziel.  Leider haben sie keine Straßenkarte und der Kompass aus dem Kaugummiautomaten ist auch Schrott. Daher landen sie zwar in den schönsten Landschaften, aber nie da, wohin sie eigentlich wollten. Die beiden Freunde kutschieren mit dem klapperigen Lada durch die ehemalige DDR und die Geschichte entwickelt sich zu einem echten Roadmovie mit Abenteuer, Stress, Spannung und Spaß. Der Autor schreibt im besten Jugendjargon: Die Sprache wirkt völlig authentisch. Maik und Tschick geraten auf eine Hausmülldeponie, in die Wüste eines verlassenen Braunkohlentagebaus und in einsame und trostlose Gegenden. Sie wundern sich über die Schönheiten der Natur: Bis jetzt war ihnen die Natur nämlich eher egal. Sie bauen zwei  gefährliche Unfälle und begegnen Isa von der Müllkippe, die den Maik gerne geküsst hätte. Die Reise endet vor dem Jugendrichter, der jedoch gnädig urteilt.

Hier noch eine Leseprobe von der Gerichtsverhandlung (S. 232):

“Als ich in den Gerichtssaal reinkam, saß der Richter schon hinter seiner Theke und zeigte mir, wo ich Platz nehmen sollte, an einem Tischchen fast wie in der Schule. Der Richter hatte einen schwarzen Poncho an, und rechts von ihm saß eine Frau und surfte die ganze Zeit im Internet, jedenfalls sah das so aus. Ab und zu tippte sie ein bisschen, aber sie guckte eine Stunde lang nicht vom Computer auf. Und ganz links saß noch einer im schwarzen Poncho. Wie sich herausstellte, der Staatsanwalt. Die schwarze Kleidung scheint ein wichtiger Bestandteil vom Gericht zu sein…”

Das Buch steht in der Jugendbibliothek unter dem Thema “Freundschaft” und im Bestsellerregal in der Erwachsenenabteilung der Stadtbibliothek. Altersempfehlung: ab 13 Jahren. Jungen und Mädchen können es gleichermaßen lesen, Erwachsene aber auch. Dem Buch ist zu wünschen, dass es einmal verfilmt wird.

Herrndorf, Wolfgang: tschick : Roman. – Berlin: Rowohlt, 2010. – 253 Seiten. – ISBN 978-3-87134-710-8. – Deutscher Jugendliteraturpreis 2011. – 16,95 €

 

Schlagwörter: , , , , , .

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | Es liegt noch keine Bewertung vor.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

Abgelegene Inseln

7. Januar 2012, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Schon seit der Antike beflügeln kleine, einsam weit draußen im Meer liegende Inseln die Phantasie der Menschen. Sie sind entweder paradiesischer Zufluchtsort, nach dem sich der Zivilisationsmüde sehnt, oder Rettung für den Schiffsbrüchigen, der auf ihr wie Robinson Crusoe zwar sein Leben erhält, sich aber wie aus einem Gefängnis heraus zurück in die Gesellschaft der Menschen sehnt. Die Wirklichkeit jener abgelegenen Inseln sieht aber in den meisten Fällen ganz anders aus als unsere Phantasien.

Kennen Sie zum Beispiel Pitcairn Island? Ein winziges Eiland im Pazifischen Ozean, von Europäern erstmals 1767 entdeckt und mehr als 2.000 km sowohl von den Osterinseln als auch von Tahiti entfernt. Pitcairn ist nur 4,5 km² groß und hat heute 48 Bewohner. Die Insel wurde im Januar 1790 von den Meuterern der Bounty besiedelt, die hier ein ideales Versteck fanden, da die Lage der Insel auf den britischen Seekarten falsch verzeichnet war.

Oder St. Helena im Atlantik: Hier hat Napoleon seine letzten Tage verbracht, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Elba entschieden zu nah am europäischen Festland liegt, um den machthungrigen Korsen dauerhaft sicherzustellen.

Oder Pingelap im Pazifik, auf der alle 250 Bewohner farbenblind sind, weil im 18. Jahrhundert ein Taifun die Bevölkerung auf weniger als 20 Personen reduzierte.

Die Greifswalder Autorin Judith Schalansky hat fünfzig dieser Eilande in einem Atlas versammelt. Von jeder Insel hat sie eine Zeichnung angefertigt und zu jeder weiß sie eine kleine Geschichte zu erzählen. Ein Buch zum Entdecken, Träumen und Erstaunen.

Judith Schalansky: Taschenatlas der abgelegenen Inseln. Fischer Taschenbuch 19012. ISBN: 978-3-596-19012-6. Preis: € 14,99.

Schlagwörter: , , .

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | 1-mal bewertet; Durchschnitt: 5,00 Punkte.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

Vom geglückten Leben

24. Dezember 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als »stoisch« bezeichnen wir eine Person von unerschütterlicher Gelassenheit. Der Begriff geht auf die Gründung einer philosophischen Schule in einer Säulenhalle (Stoa) des Athener Marktplatzes um 300 v. Chr. zurück. Ihr erster Lehrer war Zenon von Kition, der mit ihr eine der einflussreichsten Strömungen der antiken Philosophie begründete. Sie wirkte ungebrochen bis in die Spätantike fort und wurde vom aufkommenden Christentum in wesentlichen Zügen adaptiert.

Einer der späten Philosophen der Stoa war Epiktet. Er wurde um 50 n. Chr. in Hierapolis in der heutigen Türkei geboren und kam als Sklave nach Rom, wo er die stoische Philosophie kennenlernte. Später gründete er eine philosophische Schule in Nikopolis an der Nordostküste Griechenlands. Epiktet selbst hat keine Schriften hinterlassen; wir kennen seine Lehre nur aus den Aufzeichnungen seines Schülers Arrian.

»Das Buch vom geglückten Leben«, auch bekannt unter dem Titel »Handbüchlein der Moral«, enthält eine kurze Zusammenfassung der Philosophie Epiktets. Im Zentrum steht die Unterscheidung zwischen jenen Umständen, die wir selbst beeinflussen können und jenen, über die wir keine Macht haben. Aus der Erkenntnis, dass jede Situation von Bedingungen abhängt, die nicht unserem Wollen unterliegen, entwickelt Epiktet eine Lehre der inneren Gelassenheit und Selbstbeherrschung, die er für die notwendige Grundlage jedes geglückten Lebens hält: Glücklich sind nur jene, die ihre Ziele und ihr Wollen an der Einsicht in die tatsächliche Lage der Dinge orientieren können.

Das kleine Büchlein ist auch nach fast 2.000 Jahren immer noch eine bereichernde Lektüre.

Epiktet: Das Buch vom geglückten Leben. Übersetzt von Carl Conz. dtv Taschenbuch 34243. ISBN: 978-3-423-34243-8. Preis: € 7,– .

Schlagwörter: , , .

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | 1-mal bewertet; Durchschnitt: 5,00 Punkte.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

Haus Bellomont

10. Dezember 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Lily Bart ist eine junge Frau, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in der Gesellschaft der Oberen Zehntausend New Yorks lebt. Ihre beiden Eltern sind schon verstorben und haben sie mit nur einem kleinen Erbe zurückgelassen. Lily lebt bei einer Tante, die sie unterstützt, bis Lily das Ziel aller junger Frauen ihrer Gesellschaftsschicht erreicht hat: einen reichen Ehemann zu erobern. Ihre Voraussetzungen dafür sind ausgezeichnet, denn Lily ist von außerordentlicher Schönheit. Doch ist sie auch ein wenig leichtsinnig und steht sich damit selbst im Weg. Als sie Gelegenheit hat, einen hervorragenden Heiratskandidaten einzuwickeln, vertreibt sie sich die Zeit lieber mit einem Flirt mit dem Rechtsanwalt Lawrence Selden, in den sie zwar verliebt ist, der für sie aber aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse als Ehemann nicht in Frage kommt.

Und auch sonst lässt sich Lily auf Abenteuer ein: Sie leiht sich Geld vom Ehemann einer ihrer Freundinnen, ist allerdings des Glaubens, dieser habe mit ihrem eigenen Geld an der Börse spekuliert und zahle ihr nur den Gewinn aus. Als ihr Gönner für seine Geldgeschenke handfeste Gegenleistungen erwartet, verweigert sich Lily ihm voller Entsetzen. Das ist der Anfang ihres gesellschaftlichen Untergangs …

Die US-amerikanische Autorin Edith Wharton (1862–1937), die es in Deutschland nie zu wirklicher Bekanntschaft gebracht hat, obwohl zahlreiche ihrer Romane übersetzt wurden, hatte mit »Haus Bellomont« 1905 ihren ersten Erfolg. Ihr präzises und ironisches Porträt des nordamerikanischen Geldadels ist noch heute vergnüglich zu lesen und war Anregung für Autoren wie F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway.

Edith Wharton: Haus Bellomont. Heyne Taschenbuch 20057. ISBN: 3-453-18873-X. Derzeit nicht lieferbar.

Schlagwörter: , , , .

Und wie hat Ihnen dieses Medium gefallen?
EnttäuschendNaja ...Geht soGutSehr gut | 1-mal bewertet; Durchschnitt: 5,00 Punkte.
Loading ... Loading ...

Kommentieren » | Buch

« Ältere Einträge