Kategorie: Hörbuch


Letzter Mann im Turm

26. November 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Der junge indische Autor Aravind Adiga (geb. 1974) hatte 2008 mit seinem ersten Roman »Der weiße Tiger« gleich einen Welterfolg. Nun ist mit »Letzter Mann im Turm« bereits sein dritter Roman erschienen.

Im Zentrum des Buchs steht eine Hausgemeinschaft in Mumbai, im Stadtteil Vakola, in dem sich die expandierende Baubranche der Stadt ausbreitet: Hier werden zahlreiche Wohnanlagen mit teuren Luxuswohnungen errichtet, denen die alte Besiedlung weichen muss. So soll es auch der Wohngemeinschaft in den beiden Türmen der Vishram Society ergehen. Turm A, um den es im Buch hauptsächlich geht, wurde bereits Ende der 50er Jahre errichtet und ist schon leicht marode. Doch seine Wohnung-Eigentümer bildet eine funktionierende und zufriedene Gemeinschaft mit jahrelangen Freundschaften und festen Ritualen. All dies ändert sich, als der Bauunternehmer Dharmen Shah den Plan entwirft, sein unternehmerisches Lebenswerk durch den Bau einer Wohnanlage genau auf dem Gelände der Vishram Society zu krönen. Er macht daher den Bewohnern ein Angebot, dass diese kaum ausschlagen können: Er ist bereit, ihnen für jede Wohnung einen Betrag von umgerechnet 236.000 € zu zahlen, was etwa dem 400-fachen des durchschnittlichen indischen Jahreseinkommens entspricht. Aber nur, wenn alle gleichzeitig verkaufen. Mit der Zeit weicht die anfängliche Opposition der Bewohner der Verführung durch das Geld. Nur einer bleibt hart: Letzter Mann im Turm ist Masterji, ein pensionierter Physik-Lehrer, der nach dem kürzlichen Tod seiner Frau allein lebt …

Ein nur scheinbar harmloser Roman über eine letztlich gnadenlose Welt.

Aravind Adiga: »Letzter Mann im Turm«. Gelesen von Sebastian Kowski. 6 CDs mit ca. 514 Minuten Laufzeit. Der Audio Verlag, 2011. Preis: ca. € 18,–.

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Die kreisende Weltfabrik

12. November 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Else Lasker-Schüler (1869–1945) gehört in die erste Reihe der Dichterinnen und Dichter der deutschsprachigen Moderne. Sie war befreundet mit vielen berühmten Schriftstellern und bildenden Künstlern der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, unter denen der sie bewundernde Gottfried Benn und der Maler Franz Marc die bekanntesten sein dürften. Ihre Gedichte und erzählenden Texte zeugen von ihrer erstaunlichen Fantasie und sprachlichen Originalität. Lasker-Schüler wurde in Elberfeld als Tochter eines jüdischen Bankiers geboren, wo sie im Briller Viertel aufwuchs. Sie heiratete den aus Berlin stammenden Arzt Johann Bertold Lasker – den Bruder des Mathematikers, Philosophen und Schachweltmeisters Emanuel Lasker – und zog mit ihm nach Berlin. 1902 begründete der Gedichtband »Styx« ihre Karriere als Dichterin. Auch Lasker-Schüler musste nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen und fand nach Zwischenaufenthalt in Zürich ab 1939 in Palästina unfreiwillig ihre neue Heimat.

Die Solinger Schauspielerin Claudia Gahrke hat nun in Kooperation mit der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft eine Auswahl von Gedichten, Erzählungen und Briefen Lasker-Schülers zu einem kurzweiligen Programm zusammengestellt, das in zahlreiche Aspekte von Leben und Werk Einblick gibt. Kindheitserinnerungen aus Wuppertal wechseln sich ab mit Briefen, Liebesgedichte mit humoristischen Texten etwa zur internationalen Kultur des Reibekuchens. Die exzellent vorgetragenen Texte werden aufgelockert durch kurze Musikstücke von Herbert Mitschke und Jojo Wolter. Ein außergewöhnliches Hörvergnügen.

»Die kreisende Weltfabrik«. Claudia Gahrke liest Else Lasker-Schüler. 1 CD mit ca. 76 Minuten Laufzeit. Solingen: Valve Records, 2011. ISBN: 978-3-00-034993-5. Preis: ca. € 12,–.

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Arthur Gordon Pym

6. November 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Edgar Allan Poe (1809–1849) war unter den ersten amerikanischen Schriftstellern, die versucht haben, vom Schreiben zu leben. Er arbeitete für die damals neu entstehenden Magazine, die damals aufgrund von Fortschritten in der Drucktechnik und den verbesserten Vertriebsmöglichkeiten durch die Eisenbahn in großer Zahl gegründet wurden. Diese Magazine kamen dem schriftstellerischen Talent Poes entgegen, da er ein Meister sowohl des Gedichts als auch der kurzen Erzählung war. Doch konnte man als Zeitungsschreiber und -redakteur nur wenig überregionalen Ruhm erwerben. Deshalb entschloss sich Poe, einen Roman zu schreiben, und er legte es mit Konsequenz auf einen Bestseller an.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich sowohl Romane als auch Sachbücher, die von den Abenteuern der Seefahrt handelten, großer Beliebtheit. Und so schickt auch Poe seinen Helden Arthur Gordon Pym auf eine Seereise, die ihn nach einer Reihe von nahezu unglaublichen Abenteuern und Entbehrungen – Meuterei, Schiffsbruch, wochenlanges Treiben auf hoher See – endlich in die damals noch weitgehend unerforschten Gebiete der Antarktis verschlägt. Dort entdeckt man auf der Insel Tsalal einen Volksstamm, der noch in steinzeitlichen Verhältnissen lebt. Obwohl diese ›Wilden‹ zuerst freundlich scheinen, greifen sie ihre Entdecker schließlich an und zerstören ihr Schiff. Nur Pym kann mit einem Kameraden entkommen und treibt nun in einem kleinen Boot immer weiter dem Südpol zu …

Poes einziger Roman ist mit seiner überbordenen und exaltierten Phantasie bis heute eines der bedeutenden Muster der Abenteuer- und phantastischen Literatur geblieben.

Edgar Allan Poe: Der Bericht des Arthur Gordon Pym. Insel Taschenbuch 1449. ISBN: 978-3-458-33149-0. Preis: € 9,00. Dieser Titel kann in der Stadtbibliothek Solingen als Hörbuch und auf CD-ROM entliehen werden.

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Eristische Dialektik

25. September 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als der Philosoph Arthur Schopenhauer am 21. September vor 150 Jahren starb, hinterließ er eine bedeutende Menge von Notizen. Die frühesten stammen bereits aus dem Jahr 1804, als Schopenhauer gerade einmal 16 Jahre alt war und noch einer Kaufmannslehre in Danzig nachging. Darunter fand sich auch eine weitgehend ausgearbeitete Schrift über die Kunst des Streitens, genauer: über die Kunst, Recht zu behalten. Schopenhauer nannte dieses kleine Lehrbuch, das 38 argumentative Kniffe aufführt, »Eristische Dialektik« – eristisch nach der altgriechischen Göttin der Zwietracht, Eris, und Dialektik als Bezeichnung für die Kunst des Argumentierens.

Die Grundidee des Büchleins ist es, jene rhetorischen Tricks zu lehren, mit denen gute Redner in der Lage zu sein scheinen, immer im Recht zu bleiben, so sehr ihnen ihr Gegenüber auch zusetzt. Schopenhauer nennt zwei Gründe, warum jeder, der diskutiert, diese Kniffe kennen sollte: Zum einen, um ihre Anwendung gegen einen selbst zu erkennen und den Kniff entlarven zu können. Zum anderen aber auch, damit man selbst seinen Standpunkt nicht vorschnell aufgeben muss, bloß weil einem im Augenblick nicht das richtige Argument einfällt. Man kann also versuchen, auch gegen die scheinbar stärkeren Argumente vorerst Recht zu behalten, in der Hoffnung, dass einem das bessere Argument später doch noch einfallen wird.

Dass dieser letzte Grund moralisch etwas fragwürdig ist, hat Schopenhauer vielleicht davon abgehalten, das Büchlein zu veröffentlichen. Nichtsdestotrotz ist es zu einer seiner meistgelesenen Schriften geworden.

Arthur Schopenhauer: Eristische Dialektik oder die Kunst, Recht zu behalten. Zürich: Kein & Aber, 2009. ISBN: 978-3-0369-5269-7. Preis: € 9,90. Dieser Titel kann im digitalen Angebot der Stadtbibliothek Solingen als Hörbuch heruntergeladen werden.

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Schrecklich amüsant

28. August 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Eine siebentägige Karibik-Kreuzfahrt auf einem Luxusliner stellt für viele Menschen einen der höchsten Urlaubsträume dar. Im März 1995 nahm der inzwischen verstorbene US-Schriftsteller David Foster Wallace (1962–2008), dessen Mammutroman »Unendlicher Spaß« in diesem Jahr in deutscher Übersetzung erschienen ist, im Auftrag des US-amerikanischen »Harper’s Magazine« an einer solchen Kreuzfahrt teil. Er hat darüber eine Artikelserie verfasst, die 1997 auch in einer Buchausgabe veröffentlicht wurde. Bereits der Titel »Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich« macht klar, dass die Reise bei Wallace nicht zu der vom Veranstalter versprochenen Entspannung geführt hat.

In sehr persönlicher Art und Weise beschreibt Wallace auf knapp 200 Seiten seine Erlebnisse von der Einschiffung in Florida bis zur »Celebrity Show« des letzten Tages. Seine präzisen Beobachtungen und seine pointierte Sprache erzeugen ein umwerfend komisches Bild dieser sieben Tage. Angefangen bei seinen fruchtlosen Versuchen, das Personal beim Aufräumen seiner Kabine zu überraschen, über sein misstrauisches Verhältnis zum Unterdruck-Toiletten-System des Schiffes, seinen Kämpfen mit den Stewards auf dem Sonnendeck bis hin zu seinen Kurzporträts von Mitreisenden, Offizieren und Animateuren trifft jeder Satz, jeder Vergleich den Nagel auf den Kopf. Und Wallace richtet zugleich immer auch einen ironischen Blick auf sich selbst.

Der Schauspieler Dietmar Bär hat diesen amüsanten Reisebericht in einer Produktion des Hessischen Rundfunks ungekürzt vorgelesen.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Ungekürzte Lesung von Dietmar Bär. München: Der Hörverlag, 2004. 4 CDs mit zus. etwa 275 Minuten Laufzeit. Preis: ca. 15,– €.

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