Per Anhalter durch die Galaxis

1. Oktober 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als Arthur Dent, ein durchschnittlicher englischer Bürger, eines Morgens aufwacht, findet er sein Haus umstellt von Baumaschinen. Es ist geplant, eine Umgehungsstraße durch sein Haus zu bauen, und weil Arthur von dem Einfall nicht angetan ist, legt er sich erst einmal provisorisch vor den nächsten Bagger. Allerdings bleibt er dort nicht lange liegen, denn sein bester Freund, der auf den etwas merkwürdigen Namen Ford Prefect hört, überredet ihn, rasch die nächste Kneipe aufzusuchen, wo er ihm eröffnet, dass die Zerstörung der Erde unmittelbar bevorsteht, da auch sie Platz für eine Umgehungsstraße machen soll. Ford weiß das, weil er nicht, wie Arthur annimmt, aus Islington stammt, sondern von einem Planeten in der Nähe des Sterns Beteigeuze. Er ist auf der Erde, um für die erfolgreichste galaktische Publikation zu recherchieren, den Reiseführer »Per Anhalter durch die Galaxis«. Und da Arthur ihm einst das Leben gerettet hat, revanchiert er sich jetzt: Er nimmt Arthur mit, als er sich als blinder Passagier auf eines der Raumschiffe der Vogonen schleicht, die gekommen sind, um die Erde aus dem Weg zu räumen. Damit beginnt für Arthur eine phantastische Reise in die Weiten der Milchstraße.

Als Douglas Adams erster Roman seiner letzlich fünfbändigen »Anhalter«-Reihe 1979 erschien, war Arthur Dent in England bereits eine Berühmtheit. Die BBC hatte 1978 eine Hörspielreihe von Douglas Adams produziert, die auf Anhieb ein Erfolg war. Der erste »Anhalter«-Roman verkaufte sich in den ersten drei Monaten 250.000 Mal und begründete damit den Welterfolg von Douglas Adams als einem der originellsten Autoren des 20. Jahrhunderts.

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz. Heyne Taschenbuch 10822. ISBN: 978-3-453-14697-6. Preis: € 7,95.

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True Grit

3. September 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

True Grit bedeutet soviel wie echter Mumm (womit nicht der Sekt gemeint ist). Der Film »True Grit«, der im letzten Jahr in die Kinos kam und jetzt auch auf DVD vorliegt, ist ein Remake eines Hollywood-Westerns von 1969 mit dem damals bereits über 60-jährigen John Wayne in der Hauptrolle. Der alternde und übergewichtige Wayne spielte damals brillant einen heruntergekommenen, stets betrunkenen US-Marshal (der Film trug denn auch den deutschen Verleihtitel »Der Marshal«), der sich durch das Einfangen entlaufener Straftäter mehr schlecht als recht über Wasser hält. Er bekommt von einem jungen Mädchen den Auftrag, den Mörder ihres Vaters zu suchen, der sich ins Indianer-Reservat abgesetzt hat, um sich dort mit einigen anderen Banditen zu verbünden. Allerdings besteht das Mädchen darauf, den Marshal auf seinem Ritt zu begleiten. Dritter im Bunde ist ein junger, etwas überheblicher Texas Ranger, der den Mörder wegen anderer Vergehen bereits seit Längerem verfolgt.

Es ist ein Glücksfall, dass sich die Coen-Brüder (»Burn After Reading«, »No Country for Old Men«) dieses außergewöhnlichen Klassikers angenommen haben. Besonders die Neubesetzung des jungen Mädchens mit der Neuentdeckung Hailee Steinfeld, aber auch die der anderen Rollen (Jeff Bridges spielt den Marshal, Matt Damon den Ranger), machen die Neuverfilmung zu einem echten Highlight. Hailee Steinfeld spielt ihre Rolle mit soviel Energie und Souveränität, dass am Ende durchaus nicht klar ist, wem der Ehrentitel »True Grit« zugesprochen werden sollte. Sehr sehenswert!

»True Grit«. USA, 2010. 1 DVD, Paramount. Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch. Länge: ca. 105 Minuten. Extras: Matties True Grit; Die Mode um 1880; Die Neuerschaffung von Fort Smith; Die Besetzung. FSK: ab 12 Jahren. Preis: ca. € 15,–.

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Schrecklich amüsant

28. August 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Eine siebentägige Karibik-Kreuzfahrt auf einem Luxusliner stellt für viele Menschen einen der höchsten Urlaubsträume dar. Im März 1995 nahm der inzwischen verstorbene US-Schriftsteller David Foster Wallace (1962–2008), dessen Mammutroman »Unendlicher Spaß« in diesem Jahr in deutscher Übersetzung erschienen ist, im Auftrag des US-amerikanischen »Harper’s Magazine« an einer solchen Kreuzfahrt teil. Er hat darüber eine Artikelserie verfasst, die 1997 auch in einer Buchausgabe veröffentlicht wurde. Bereits der Titel »Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich« macht klar, dass die Reise bei Wallace nicht zu der vom Veranstalter versprochenen Entspannung geführt hat.

In sehr persönlicher Art und Weise beschreibt Wallace auf knapp 200 Seiten seine Erlebnisse von der Einschiffung in Florida bis zur »Celebrity Show« des letzten Tages. Seine präzisen Beobachtungen und seine pointierte Sprache erzeugen ein umwerfend komisches Bild dieser sieben Tage. Angefangen bei seinen fruchtlosen Versuchen, das Personal beim Aufräumen seiner Kabine zu überraschen, über sein misstrauisches Verhältnis zum Unterdruck-Toiletten-System des Schiffes, seinen Kämpfen mit den Stewards auf dem Sonnendeck bis hin zu seinen Kurzporträts von Mitreisenden, Offizieren und Animateuren trifft jeder Satz, jeder Vergleich den Nagel auf den Kopf. Und Wallace richtet zugleich immer auch einen ironischen Blick auf sich selbst.

Der Schauspieler Dietmar Bär hat diesen amüsanten Reisebericht in einer Produktion des Hessischen Rundfunks ungekürzt vorgelesen.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich. Ungekürzte Lesung von Dietmar Bär. München: Der Hörverlag, 2004. 4 CDs mit zus. etwa 275 Minuten Laufzeit. Preis: ca. 15,– €.

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Das endgültige Satirebuch

7. August 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Vor gut 30 Jahren, im November 1979, erschien das erste Heft des Satiremagazins »Titanic«. Zum Jubiläum hat die Redaktion sich und allen Titanic-Lesern ein Geschenk gemacht und das »Erstbeste aus 30 Jahren« in einem Buch versammelt. »Titanic« hat mit Witz und Biss 30 Jahre west- und gesamtdeutscher Geschichte begleitet. Natürlich standen oft Politik und Politiker im Zentrum der Satire: So hat es Helmut Kohl über 60 Mal aufs Titelblatt geschafft (eine Auswahl der besten Kohl-Titelblätter findet sich natürlich im Buch), aber auch Rudolf Scharping, Gerhard Schröder, Kurt Beck, Angela Merkel u.v.a. sind nicht unbehelligt davongekommen.

Doch die Satire der »Titanic« hat sich nicht nur mit Politik beschäftigt, sondern sich auch der »heiligen Kühe« bundesdeutscher Kultur angenommen: Gern erinnert man sich etwa an die Aktion bei »Wetten, dass..?«, bei der der »Titanic«-Redakteur Bernd Fritz beinahe Wettkönig wurde mit der unsinnigen Wette, er könne Buntstifte am Geschmack erkennen. Nicht weniger heiß diskutiert wurde die Aktion von Martin Sonneborn, der sich im Juli 2000 in die Vergabe der Fußball-WM nach Deutschland einmischte, als er einem neuseeländischen Fifa-Funktionär ein absurdes Bestechungsschreiben ins Hotel faxte.

Neben vielen aktuellen Themen blühte bei der »Titanic« aber auch immer ein Sinn für höheren Unsinn, so wenn etwa Opa Sondermann seinen Enkeln Abenteuer aus der Versicherungsagentur erzählt oder man im Stil der »Was ist Was«-Bücher erklärt, warum wir mit den Füßen gehen.

Die und vieles mehr gibt es in dem Jubiläumsband wiederzuentdecken.

Titanic. Das endgültige Satirebuch. Das Erstbeste aus 30 Jahren. Hg. v. Peter Knorr, Oliver Maria Schmidt, Martin Sonneborn u.a. Berlin: Rowohlt Berlin, 2009. ISBN: 978-3-87134-652-1. Preis: € 25,00.

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Irre! Wir behandeln die Falschen – Unser Problem sind die Normalen

25. Mai 2010, 13:07 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Dieses kurzweilige, erzählende Sachbuch kann man in einem Rutsch an einem Wochenende durchlesen. Es ist unterhaltsam und als “heitere Seelenkunde” durchaus geeignet, Grundlegendes über Depressionen, Schizophrenie, Sucht, Demenz und andere Psycho-Erkrankungen zu lernen. Auch die Psychoanalyse findet ihren Platz: Der Bestsellerautor Mandred Lütz ist selbst sowohl Psychiater als auch Kabarettist, so dass der Titel “Irre!” trifft.

Sollten die Leser am Ende vielleicht die eine oder andere Psycho-Macke an sich entdecken, haben sie richtig Glück: Der Autor mag die “Normalos” nicht wirklich.  Sie sind doch vergleichsweise langweilig und bieder, sind wohlgeordnet und absolut nicht außergewöhnlich. Die rührenden Demenzkranken, dünnhäutigen Süchtigen oder mitreißenden Maniker sind doch viel spannender! Manfred Lütz nimmt die Leser auf eine Reise ins Land der Verrückten mit – und das macht richtig Spaß!

Ein bisschen  Wahnsinn im Leben  ist daher die  Zutat, um ein außergewöhnliches Leben zu führen zu können. Viele Menschen, die psychische Erkrankungen hatten, möchten diese Erfahrung nicht missen. Das Buch macht Mut und liefert die Zuversicht, dass fast alles überwunden werden kann.

Der Autor schreibt mit  viel Sympathie für die psychisch Kranken. Das Lachen auch eine Medizin sein kann, ist nicht neu, wird hier aber neu bewiesen.

“Irre! Wir behandeln die Falschen – Unser Problem sind die Normalen” Eine heitere Seelenkunde / Manfred Lütz. – München,  2009. – 189 S.

ISBN 978-3 579-06879-4

Standort Stadtbibliothek: 7 Krankheit Psyche Lütz

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