Der Tiger

3. Juni 2011, 00:28 Uhr | Autor: Claudia Elsner-Overberg

Der Zettel muss schon länger in meiner Handtasche herumgeflogen sein: Lesetipp! John Vaillant: Der Tiger. Vor vier Wochen tauchte das Zettelchen nun wieder auf und das Buch zog mich sofort in seinen Bann. Im Untertitel heißt es sehr treffend: „Auf der Spur eines Menschenjägers. Ein dokumentarischer Thiller“.

Juri Trusch, Leiter einer der sechs Einheiten der „Inspektion Tiger“ im russischen Fernen Osten nahe der chinesichen Grenze, erhielt am 5. Dezember 1997 eine dringende Mitteilung: Im Bikin-Tal bei Sobolonje, einer kleinen Holzfällersiedlung tief im Wald, war ein Mann von einem Tiger angefallen worden. Zu den Aufgaben der „Inspektion Tiger“ gehörte die Verfolgung von Wilderei und Straftaten im Wald, besonders, wenn sie sich um Tiger drehten. Aber auch Tigerangriffe auf Menschen fielen in seine Zuständigkeit. Trusch packte seine Sachen und machte sich sofort auf die Reise in das letzte Rückzugsgebiet des sibirischen Tigers, von dem es heißt, sein Kopf sei so groß wie ein Waschbecken. Weiterlesen »

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Ein russischer Sommer

19. Februar 2011, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Im Sommer 1910 lebt der 82-jährige, weltberühmte Schriftsteller Graf Leo Tolstoi (Christopher Plummer) mit seiner Frau Sofya (Helen Mirren) und seiner Tochter Sasha (Anne-Marie Duff) auf seinem Landgut Jasnaja Poljana, 220 km südlich von Moskau. Als sein neuer Privatsekretär trifft aus Moskau der junge Dichter Valentin Bulgakov (James McAvoy) ein, aus dessen Perspektive der Film erzählt wird. Bulgakov ist ein idealistischer und glühender Anhänger des »Tolstoianismus«, einer pazifistischen Lebensphilosophie, in deren Zentrum der allen Religionen gemeinsame Begriff der Liebe steht. Einige von Tolstois Anhänger leben nahebei in einer Kommune, in der auch Bulgakov ein Unterkommen und seine erste Liebe Masha (Kerry Condon) findet.

Dieser letzte Sommer im Leben Tolstois ist von heftigem häuslichen Streit geprägt: Tolstois treuer Anhänger Vladimir Chertkov (Paul Giamatti) will erreichen, dass Tolstoi testamentarisch auf die Rechte an seinen Werken verzichtet und diese nach seinem Tod frei nachgedruckt werden können. Die Gräfin Tolstoiana dagegen will das Erbe für sich und ihre Kinder sichern. Sie wehrt sich heftig und lautstark gegen Chertkovs Vereinnahmung ihres Ehemannes. Der Streit spitzt sich so zu, dass Tolstoi nachts aus seinem eigenen Haus flieht und nach langer Eisenbahnfahrt endlich im winzigen Ort Astapowo im Haus des Bahnwärters unterkommt. Doch sehr bald hat ihn die Presse in diesem Versteck aufgespürt, und der häusliche Streit holt den Flüchtling ein …

»Ein russischer Sommer«. Deutschland, Russland, England, 2009. 1 DVD, Warner Brothers. Sprachen: Deutsch, Englisch. Länge: ca. 108 Minuten. Extras: Nicht verwendete Szenen, Outtakes, Interviews u.a. FSK: ab 6 Jahren. Preis: ca. € 8,–.

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Atemschaukel

23. Januar 2010, 08:00 Uhr | Autor: Marius Fränzel

Als im vergangenen Jahr die deutsche Autorin Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, dürfte dies die allermeisten Leser überrascht haben. Zwar wurde ihr Namen von einigen Wettbüros gehandelt, aber gerade in Deutschland dürften sie nur ganz wenige auf der Liste möglicher Kandidaten gehabt haben. Müller wurde 1953 als Tochter eines LKW-Fahrers in Rumänien in die Minderheit der Banater Schwaben hineingeboren. Im Jahr 1987 emigrierte sie in die BRD; sie thematisiert in ihren Romane, Erzählungen und Theaterstücken immer wieder das Leben von Menschen unter den Bedingungen der Diktatur.

Ihren im vergangenen Jahr erschienenen Roman »Atemschaukel« hatte sie zusammen mit ihrem Schriftstellerkollegen und Leidensgenossen Oskar Pastior (1927–2006) geplant, dessen Tod die Realisierung aber vorerst verhinderte. Schließlich hat sich Herta Müller aber entschlossen, den Roman alleine zu schreiben. Erzählt wird in kurzen Episoden das Schicksal des jungen Leopold Auberg, der im Januar 1945, nachdem die Russen die deutschen Besatzer aus Rumänien vertrieben haben, als Deutschstämmiger zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert wird. Erst nach fünf Jahren Plackerei, Hunger, Kälte, Schmutz und Elend darf er zu seiner Familie in einen brüchigen Frieden zurückkehren.

Entstanden ist eine eindringliche und sprachlich beeindruckend originelle Darstellung nicht nur der fünf Jahre im Arbeitslager, sondern auch der tiefgreifenden Auswirkungen, die diese Zeit auf das weiterer Leben Leopold Aubergs hat. Noch 60 Jahre nach seiner Entlassung leidet er unter den Folgen der Verschleppung.

Herta Müller: Atemschaukel. München: Carl Hanser, 2009. ISBN: 978-3-446-23391-1. Preis: € 19,90.

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